Gategroup-Übernahme kommt zustande - Käufer HNA verzichtet auf Mindestandienung

(Zusammenfassung)
07.07.2016 13:40

Zürich/Haikou (awp) - Der chinesische Mischkonzern HNA übernimmt Gategroup definitiv. Dies obwohl weniger Aktionäre des Zürcher Airline-Caterers als angestrebt ihre Aktien dem chinesischen Konzern verkauften.

Eigentlich hatte HNA eine sogenannte Mindestandienungsquote von 67% definiert. Das bedeutet, dass die Übernahme nur dann zustande gekommen wäre, wenn die Gategroup-Aktionäre mindestens 67% der Aktien dem chinesischen Konzern verkauft hätten. Auf diese Bedingung wird nun verzichtet, wie HNA und Gategroup am Donnerstag mitteilten.

Bis zum 1. Juli, als die Angebotsfrist ablief, hatten die Aktionäre erst rund 62% der Aktien an HNA verkauft. Zusammen mit den von Gategroup selbst gehaltenen Aktien betrug die Beteiligungsquote rund 64%. Die festgelegte Mindestquote wurde also nicht erreicht.

Nun verzichtet HNA auf diese und erklärt das Angebot als zustande gekommen, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst. HNA hat diese Möglichkeit. Im Angebotsprospekt an die Aktionäre heisst es, dass die Anbieterin sich das Recht vorbehalte, ganz oder teilweise auf die Angebotsbedingungen zu verzichten.

GROSSAKTIONÄR RBR WILL SICH NUN AUCH TRENNEN

Nachdem Grossaktionär RBR Capital zuletzt noch den Preis als deutlich zu tief angesehen hatte, will sich der Hedgefonds nun doch von seinem Anteil trennen. "Die Übernahme ist prinzipiell in trockenen Tüchern", sagte Rudolf Bohli von RBR auf Anfrage von AWP. Sobald HNA die Dekotierung von Gategroup bekannt gebe, würden HNA "die Aktien zufliegen. Wir wollen auch nicht Minderheitsaktionär bei einer dekotierten Gesellschaft sein, wo wir nicht wissen, was genau nun bei HNA auf der Agenda steht", so Bohli weiter.

RBR hält zusammen mit Cologny Advisors einen Anteil von 11,3% an Gategroup. RBR hatte bislang einen Preis im Bereich von 100 CHF als fair angesehen im Vergleich zu den offerierten 53 CHF der Chinesen. Zuletzt wurde die Gategroup-Aktie bei 52,15 CHF gehandelt.

Andreas Schmid, Verwaltungsratspräsident von Gategroup, spricht demgegenüber von einem "guten Preis". Die beiden Hedgefonds RBR Capital Advisors und Cologny Advisors hatten Schmid an der vergangenen Generalversammlung abwählen lassen wollen, waren aber unterlegen.

ZUFRIEDEN MIT QUOTE - KEINE GARANTIE FÜR SITZ

HNA zeigt sich in der Mitteilung "zufrieden" mit der Quote der ihr bisher verkauft Aktien. Man sei zuversichtlich, "dass weitere Aktionäre von Gategroup die Vorteile einer Annahme des Angebots erkennen". Die Gategroup-Aktionäre können ihre Anteile noch bis zum Ende der Nachfrist am 21. Juli an HNA verkaufen. HNA will für Gategroup insgesamt rund 1,4 Mrd CHF auf den Tisch legen.

Als die geplante Übernahme durch HNA publik wurde, hatte Gategroup-Chef Xavier Rossinyol versprochen, dass sein Unternehmen weiterhin eine selbständig geführte Gesellschaft mit Sitz in der Schweiz bleiben werde. Im April hatte Verwaltungsratspräsident Schmid jedoch gesagt, dass es keine vertragliche Garantie für einen Erhalt des Gategroup-Firmensitzes in der Schweiz gebe.

HNA erwartet, die Übernahme Ende des dritten, Anfang des vierten Quartals dieses Jahres abschliessen zu können. Dies ist später als ursprünglich geplant. Der Grund für die Verzögerung scheinen behördliche Genehmigungsverfahren zu sein, wie aus der Mitteilung hervorgeht. 2015 hatte HNA für 2,73 Mrd CHF bereits den Schweizer Flugzeug- und Flughafendienstleister Swissport gekauft.

dm/rw

(AWP)