Geberit-Aktien schwächster Blue Chip - vorsichtige Zielvorgabe, Zahlen belasten

Geberit-Aktien sind am Donnerstag im frühen Handel die mit Abstand grössten Verlierer unter den Blue Chips. Der Sanitärtechnikkonzern hat im zweiten Quartal mit verschiedenen Belastungsfaktoren zu kämpfen gehabt. Neben einer hohen Vergleichsbasis hat auch der Oster-Effekt das Wachstumstempo des Unternehmens gedrosselt. Aber auch höhere Kosten haben ihre Spuren in der Margenentwicklung hinterlassen. Auf die erste Jahreshälfte betrachtet, hat Geberit sowohl beim Umsatz als auch der Ergebnisentwicklung die Analystenschätzungen mehrheitlich verfehlt. Der Ausblick fällt zudem unter den durchschnittlichen Erwartungen aus.
17.08.2017 09:48

Im frühen Handel gegen 9.40 Uhr verlieren die Aktien am SMI-Ende 6,7% auf 447,10 CHF. Allerdings hatten die Papiere erst kürzlich ein Rekordhoch markiert. Und auch auf längere Sicht hatten sie einen recht guten Lauf, so dass in die aktuellen Kursverluste durchaus auch Gewinnmitnahmen spielen dürften. Der Leitindex SMI steht zeitgleich 0,53% tiefer.

Die ersten Analystenkommentare enthalten durch die Bank die gleiche Kernaussage: Die Entwicklung im zweiten Quartal sei enttäuschend und der Ausblick erfülle auch nicht die durchschnittlichen Erwartungen der Experten-Gemeinde - und das auch, wenn man sie als konservativ einschätze, wie es etwa in dem ersten Kommentar der Royal Bank of Canada (RBC) heisst.

Aber auch die Ergebnisse liegen unter ihren Erwartungen, urteilt etwa die ZKB oder die Deutsche Bank. Bei der ZKB sieht Analyst Martin Hüsler insbesondere das negative Wachstum in Deutschland als kritisch an. In einer groben Überschlagsrechnung rechnet Hüsler damit, dass etwa die Konsensschätzungen für das bereinigte EBITDA um 3 bis 5% nach unten angepasst werden müssen.

Wie Fabian Häcki von der UBS ergänzt, waren die negativen Faktoren dem Markt schon im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung weitestgehend bekannt. Dennoch seien die Erwartungen auf das zweite Quartal bezogen verfehlt worden. Er prognostiziert, dass sich die gestiegenen Personal- und Rohstoffkosten bis ins zweite Halbjahr hineinziehen werden.

Der RBC-Analyst zeigt sich zudem besorgt über das Wachstumspotenzial von Geberit. Gleichzeitig stellt er die Frage nach dem strategischen Nutzen der Sanitec-Übernahme vor dem Hintergrund, dass mit ihr eine erhöhte Volatilität in die Umsatzentwicklung gekommen sei.

Daniela Costa von Goldman Sachs wiederum geht davon aus, dass die Aktie ihren guten Lauf zunächst unterbrechen dürfte. Das Umsatzwachstum im zweiten Quartal sei das schwächste seit dem dritten Quartal 2012, heisst es in dem Kommentar.

hr/ dm

(AWP)