Geberit hält Umsatz im Halbjahr knapp stabil - Werkschliessungen drücken Gewinn

(Durchgehend ergänzt) - Der Sanitärtechnikkonzern Geberit hat im ersten Halbjahr 2017 wegen der geringeren Anzahl Arbeitstage und wegen Devestitionen etwas weniger umgesetzt als im Vorjahressemester. Wegen Sonderkosten im Zusammenhang mit den Werkschliessungen in Frankreich resultierte auch ein Gewinnrückgang. Für das Gesamtjahr 2017 zeigt sich das Unternehmen aber zuversichtlich.
17.08.2017 08:00

Der Umsatz nahm im ersten Semester gegenüber dem Vorjahr um 0,7% auf 1,47 Mrd CHF ab, bereinigt um die Währungs- und Akquisitionseinflüsse ergab sich indes ein organisches Plus von 2,8%. In der Entwicklung des Umsatzes seien negative Währungseffekte in der Höhe von 24 Mio enthalten sowie der Verkauf von Koralle und Varicor, teilt Geberit am Donnerstag mit.

Im zweiten Quartal ergab sich ein währungsbereinigtes, organische Umsatzminus von 0,8%. Damit ist das Wachstum zum Erliegen gekommen - im ersten Quartal resultierte ein Plus von 6,7%. Diese Entwicklung sei aber massgeblich auf die geringere Anzahl an Arbeitstagen zurückzuführen, begründet Geberit.

DEUTSCHLAND LEIDET UNTER MANGEL AN INSTALLATEUREN

Organisch und in lokalen Währungen legte die grösste Region Europa im Semester um 2,2% zu. Gute Zuwachsraten verzeichneten dabei die Iberische Halbinsel (+13,1%), Österreich (+8,6%), Zentral-/Osteuropa (+6,9%) sowie Italien (+6,4%), während in der Schweiz ein Plus von 1,6% resultierte. Rückläufig waren die Verkäufe in Grossbritannien/Irland (-3,4%) und im wichtigsten Markt Deutschland (-0,9%). In Deutschland würden die fehlenden Installationskapazitäten zunehmend bremsen.

Zweistellig wuchsen Fernost/Pazifik (+14,2%) und Nahost/Afrika (+12,7%), während in Amerika der Nettoumsatz um 5,0% anzog.

Von den Produktebereichen verzeichneten die Sanitär- (+6,7%) und die Rohrleitungssysteme (+2,1%) organisch gesehen ein Wachstum, wogegen der über Sanitec zugekaufte Produktbereich Sanitärkeramik um 3,5% schrumpfte.

SONDERKOSTEN IN FRANKREICH UND ROHSTOFFPREISE BELASTEN EREGEBNIS

Der EBITDA reduzierte sich im Halbjahr um knapp 12% auf 387,4 Mio und der Reingewinn um gut 18% auf 258,2 Mio. Hier sind Einmalkosten im Zusammenhang mit der Sanitec-Akquisition enthalten. Um diese Effekte bereinigt hat der adjustierte EBITDA um 1,6% auf 435 Mio abgenommen und die entsprechende Marge um 30 Basispunkte auf 29,6%. Der adjustierte Reingewinn reduzierte sich um 4% auf 319,9 Mio.

Die negativen Einmaleffekte als Folge der Sanitec Akquisition/Integration betrugen auf Stufe EBITDA 48 Mio CHF und auf Stufe Nettoergebnis 62 Mio CHF. Massgeblich zu diesen Kosten trugen die 44 Mio CHF für die Schliessungen von zwei Keramikwerken in Frankreich bei, was bereits im Juli kommuniziert wurde.

Die im Vorjahresvergleich tieferen operativen Ergebnisse seien vor allem auf höhere Rohmaterialpreise, Personalkosten und Abschreibungen zurückzuführen. Positiv hätten sich dagegen gestiegene Verkaufsvolumina, ein positiver Produktmixeffekt und Synergieeffekte aus der Sanitec Integration ausgewirkt.

Damit hat Geberit die Erwartungen der Analysten mit dem Umsatz knapp und mit den Gewinnziffern deutlicher verfehlt.

AUSBLICK ZUVERSICHTLICH - ROHMATERIALPREISE BLEIBEN HERAUSFORDERUNG

Zum Ausblick auf das Gesamtjahr 2017 macht Geberit erstmals konkrete Angaben: Demnach rechnet das Unternehmen mit einem währungsbereinigten, organischen Wachstum des Nettoumsatzes von 3 bis 4% sowie mit einer adjustierten EBITDA-Marge von rund 28%.

Die Nachfrage in der Bauindustrie dürfte 2017 insgesamt nach wie vor positiv verlaufen, heisst es dazu weiter. Einzelne Regionen/Märkte und Bausektoren dürften sich jedoch weiterhin stark unterschiedlich entwickeln. Ein positives Marktumfeld erwartet Geberit für die nordischen Länder, die Schweiz, Österreich, Frankreich, die Benelux- und die osteuropäischen Länder. Im wichtigsten Markt Deutschland sei die Nachfragesituation weiterhin gesund, das Wachstumspotential sei wegen der limitierten Installateurskapazitäten aber stark eingeschränkt.

Für Italien wird ein stabiles Marktumfeld prognostiziert, während die Lage in Grossbritannien aufgrund des Brexits unsicher bleibt. Auch für Nordamerika wird im wichtigen öffentlichen Bausektor eine Stagnation vorhergesagt sowie ein moderates Wachstum im Wohnungsbau.

Insgesamt zeigt sich Geberit "zuversichtlich, auch im Gesamtjahr 2017 solide Ergebnisse erwirtschaften zu können." Die höheren Rohmaterialpreise blieben dabei aber eine Herausforderung.

cf/gab

(AWP)