Geberit liegt mit Umsatz nach 9 Monaten über Vorjahr - Umsatzprognose angepasst

(Ausführliche Fassung) -Jona (awp) - Der Sanitärtechnikkonzern Geberit hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2017 den Umsatz leicht gesteigert, die Gewinnziffern dagegen nicht ganz gehalten. Belastend auf das Ergebnis wirkten sich höhere Rohmaterialpreise und Personalkosten sowie die Kosten für die Schliessung zweier Keramikwerke in Frankreich aus. Im dritten Quartal fand das Unternehmen nach einem flachen zweiten aber auf den Wachstumspfad zurück. Dennoch wurde die Umsatzprognose leicht nach unten angepasst.
31.10.2017 07:52

Der Umsatz wuchs um 1,4% auf 2,20 Mrd CHF, bereinigt um die Währungseinflüsse ergab sich ein organisches Plus gegenüber dem Vorjahr von 3,0%. Im Umsatzanstieg sind negative Währungseffekte in der Höhe von 4 Mio CHF sowie der umsatzmindernde Verkauf von Koralle und Varicor enthalten, wie Geberit am Dienstag mitteilt.

Das Tempo der Umsatzentwicklung hat sich im dritten Quartal mit einem währungsbereinigten, organischen Plus von 3,3% sequentiell wieder beschleunigt. Nachdem im ersten Quartal ein Plus von 6,7% resultiert hatte, kam das Wachstum im zweiten Quartal mit einem Minus von 0,8% zum Erliegen, was indes von Geberit massgeblich auf die geringere Anzahl an Arbeitstagen zurückgeführt wurde. Auch die Entwicklung im dritten Quartal war negativ geprägt durch eine im Vergleich zum Vorjahresquartal geringere Anzahl Arbeitstage sowie durch den Abbau des Lieferrückstands im Dusch-WC-Geschäft im Vorjahr.

DEUTSCHLAND WIEDER KNAPP IM WACHSTUMSMODUS

Geografisch betrachtet wuchs die Hauptregion Europa über neun Monaten gesehen organisch und in lokalen Währungen um 2,3%. Knapp positiv war dabei die Bilanz des grössten Einzelmarktes Deutschland und auch des Heimmarktes Schweiz (je +0,2%). Die Umsatzbilanz in Deutschland hatte nach sechs Monaten allerdings noch knapp im negativen Bereich gelegen. Weiterhin würden die fehlenden Installateurskapazitäten in der Baubranche das Wachstum in unserem nördlichen Nachbarland hemmen, heisst es dazu.

Starke Wachstumsraten gab es auf der Iberischen Halbinsel (+11,9%), in Österreich (+8,5%), in Italien (+7,6%) sowie in Zentral-/Osteuropa (+6,7%), während Frankreich (+3,4%) und Benelux (+3,3%) etwas moderater zulegten. Von den Produktbereichen wuchsen die Sanitär- (+5,9%) und die Rohrleitungssysteme (+3,3%), wogegen der Bereich Sanitärkeramik um 2,9% schrumpfte.

Der EBITDA ging von Januar bis September um 6,9% auf 605,0 Mio zurück und der EBIT um 9,3% auf 494,0 Mio. Der Reingewinn reduzierte sich um gut 11% auf 416,7 Mio CHF. In diesen Zahlen sind allerdings noch negative Effekte durch die Übernahme der skandinavischen Sanitec enthalten. Diese betrugen auf Stufe EBITDA 48 Mio CHF, auf Stufe EBIT 75 Mio und auf Stufe Nettoergebnis 69 Mio. Den Hauptkostenblock versursachte dabei wie bereits früher kommuniziert die Schliessung zweier Keramikwerke in Frankreich.

Zur besseren Vergleichbarkeit weist Geberit deshalb auch adjustierte Werte aus: Ohne die erwähnten Effekte hätte der EBITDA um 0,2% auf 653,0 Mio CHF zugenommen, während die entsprechende Marge um 30 Basispunkte auf 29,7% leicht zurückging. Der adjustierte Reingewinn lag um 1,1% unter dem Vorjahreswert bei 485,9 Mio. Damit hat Geberit die Erwartungen der Analysten mit dem Umsatz und dem adjustierten EBITDA nur knapp erreicht, mit dem Reingewinn dagegen leicht übertroffen.

UMSATZAUSBLICK ETWAS VORSICHTIGER

Negativ auf die operativen Ergebnisse hätten sich vor allem höhere Rohmaterialpreise, Personalkosten und Abschreibungen ausgewirkt, heisst es hier. Positive Effekte resultierten aus gestiegenen Verkaufsvolumina, einem positiven Produktmixeffekt und Synergien aus der Integration von Sanitec. Das Anfang Juni 2017 gestartete Aktienrückkaufprogramm hatte noch keine bedeutenden Auswirkungen auf den Gewinn je Aktie.

Die Integrationsprozesse um Sanitec wie auch die erwähnte Schliessung der Werke in Frankreich verlaufen laut Geberit weiterhin plangemäss. Ein Fokus im Jahr 2017 gilt dem weiteren Zusammenwachsen der Länderorganisationen.

Der bisherige Ausblick auf das Gesamtjahr 2017 wird mit Blick auf den Umsatz leicht nach unten revidiert. Demnach wird mit einem währungsbereinigten, organischen Wachstum des Umsatzes von rund 3% gerechnet, bisher lautete die Prognose auf 3 bis 4%. Die Guidance für die adjustierte EBITDA-Marge liegt unverändert bei rund 28%.

Die Nachfrage in der Bauindustrie im Jahr 2017 verlaufe insgesamt positiv, aber mit starken Unterschieden zwischen einzelnen Regionen und Märkten, so Geberit. Ein positives Marktumfeld sieht das Unternehmen in den nordischen Ländern, der Schweiz, Österreich, Frankreich, Benelux und Osteuropa. Das Wachstumspotential in Deutschland sei wegen der erwähnten Kapazitätsengpässe trotz einer gesunden Nachfragesituation stark eingeschränkt.

Insgesamt zeigt sich Geberit "zuversichtlich für solide Ergebnisse im Gesamtjahr 2017". Eine Herausforderung blieben dabei aber die Auswirkungen der weiter steigenden Rohmaterialpreise.

cf/

(AWP)