Geberit von Wachstumsschwäche in Deutschland und Werkschliessungen gebremst

(Zusammenfassung) - Der Sanitärtechnikkonzern Geberit hat im ersten Semester die Wachstumserwartungen wegen eines schwächer als erwartet ausgefallenen zweiten Quartals verpasst. Unerwartet kam insbesondere der rückläufige Umsatz in Deutschland. Aber auch der Gewinn fiel tiefer aus als prognostiziert, belastet insbesondere von den gestiegenen Rohmaterialpreisen und den Werkschliessungen in Frankreich. Für das Gesamtjahr verströmt das Unternehmen dennoch Zuversicht.
17.08.2017 12:44

Der Umsatz nahm im ersten Semester gegenüber dem Vorjahr um 0,7% auf 1,47 Mrd CHF ab, bereinigt um die Währungs- und Akquisitionseinflüsse ergab sich indes ein organisches Plus von 2,8%. In der Entwicklung des Umsatzes seien negative Währungseffekte in der Höhe von 24 Mio enthalten sowie der Verkauf von Koralle und Varicor, teilte Geberit am Donnerstag mit.

UMSATZ LEIDET IM Q2 UNTER DEUTSCHLAND

Im zweiten Quartal ergab sich auch auf bereinigter Basis ein Umsatzminus von 0,8%. Damit ist das Wachstum zum Erliegen gekommen - im ersten Quartal resultierte noch ein Plus von 6,7%. Diese Entwicklung sei aber massgeblich auf die geringere Anzahl an Arbeitstagen zurückzuführen, begründet CEO Christian Buhl an einer Telefonkonferenz.

Organisch und in lokalen Währungen legte die Hauptregion Europa im Semester um 2,2% zu. Rückläufig waren dabei allerdings die Verkäufe in Grossbritannien/Irland und - was besonders ins Gewicht fällt - im wichtigsten Einzelmarkt Deutschland (-0,9%). Buhl machte dafür vor allem die fehlenden Installationskapazitäten verantwortlich.

"Für die Nachfrage in Deutschland bleiben wir dennoch zuversichtlich", sagte dazu Buhl, und hob gleichzeitig die sehr starke Vergleichsbasis aus dem Vorjahr hervor. Das Wachstumspotential sei wegen der limitierten Installateurskapazitäten allerdings stark eingeschränkt. Eine Prognose, ob der Umsatz in Deutschland im zweiten Halbjahr erneut zurückgehen werde, wollte er nicht machen.

ROHMATERIALKOSTEN UND WERKSCHLIESSUNGEN BELASTEN ERGEBNIS

Der EBITDA reduzierte sich im Halbjahr um knapp 12% auf 387,4 Mio CHF und der Reingewinn um gut 18% auf 258,2 Mio. Hier sind Einmalkosten im Zusammenhang mit der Sanitec-Akquisition enthalten, welche Buhl auf Stufe EBITDA auf 48 Mio und auf Stufe Nettoergebnis auf 62 Mio bezifferte. Dabei kostete allein die Schliessung der beiden Keramikwerke in Frankreich 44 Mio.

Um diese Effekte bereinigt hat der adjustierte EBITDA um 1,6% auf 435 Mio abgenommen und die entsprechende Marge um 30 Basispunkte auf 29,6%. Der adjustierte Reingewinn reduzierte sich um 4% auf 319,9 Mio.

Die im Vorjahresvergleich tieferen operativen Ergebnisse seien vor allem auf höhere Rohmaterialpreise, Personalkosten und Abschreibungen zurückzuführen. Positiv hätten sich dagegen gestiegene Verkaufsvolumina, ein positiver Produktmixeffekt und Synergieeffekte aus der Sanitec Integration ausgewirkt.

Hinsichtlich der Rohstoffkosten erwartet Buhl für das dritte Quartal eine stabile Entwicklung gegenüber dem zweiten, die Preise dürften aber deutlich über dem Niveau des dritten Quartals 2016 verharren und entsprechend auch im Gesamtjahr 2017 über dem Level von 2016 liegen. "Die Rohmaterialkosten werden die Marge weiterhin belasten, aber nicht mehr so stark wie im zweiten Quartal", so der CEO.

Zum Ausblick auf das Gesamtjahr 2017 werden erstmals konkrete Angaben gemacht, demnach wird mit einem währungsbereinigten, organischen Wachstum des Nettoumsatzes von 3 bis 4% gerechnet sowie mit einer adjustierten EBITDA-Marge von rund 28%. Die Umsatzguidance entspricht gegenüber den 2,8% aus den ersten sechs Monaten einer Beschleunigung. "Der Juni war verhältnismässig schwach, dafür der Juli verhältnismässig gut", begründete dies Buhl.

An der Börse fällt die Aktie bis am frühen Nachmittag um gut 5% zurück. Keine Freude haben die Kommentatoren an der Entwicklung in Deutschland sowie am Ausblick.

cf/dm

(AWP)