Geldpolitik und Firmenbilanzen halten Börsianer in Atem

Frankfurt (awp/sda/reu) - Das Thema Geldpolitik wird die Börsen in der neuen Woche dominieren. Die Schlüsselrolle spielt EZB-Chef Mario Draghi, von dem sich Anleger am Donnerstag Hinweise auf die Zukunft des 1,74 Billionen Euro schweren Anleihe-Kaufprogramms der Notenbank erhoffen.
16.10.2016 12:06

"Die EZB wird versuchen, die Märkte zu beruhigen", sagt NordLB-Aktienmarktstratege Tobias Basse. Rabobank-Anlagestratege Elwin de Groot rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Wertpapierkaufprogramm um mindestens sechs Monate bis September 2017 verlängern wird. "Es ist zu früh, um den Stecker zu ziehen."

Allerdings könnte Draghi einen Einstieg in den Ausstieg aus dem sogenannten Quantitative Easing (QE), also dem breit angelegten Ankauf von Wertpapieren durch die Zentralbank, signalisieren. Spekulationen über den Zeitpunkt einer Drosselung der Geldflut - im Fachjargon Tapering genannt - haben die Investoren zuletzt immer wieder in Unruhe versetzt.

Anleger lauern auch auf die neuesten Entwicklungen bei der Deutschen Bank, die noch immer um die endgültige Strafe des US-Justizministeriums feilscht, um den Streit um Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt beizulegen. Bislang steht eine Summe von 14 Milliarden Dollar im Raum. Das krisengeplagte Institut spielte Insidern zufolge einen weiteren Jobabbau durch, um die Kosten zu senken.

Impulse erwarten Börsianer auch von der Fahrt aufnehmenden Bilanzsaison. Vor allem US-Unternehmen legen ihre Quartalszahlen vor, darunter Goldman Sachs (Dienstag) und Bank of America (Montag).

Wie gut die Wirtschaft in den USA in Schuss ist, zeigt sich am Montag mit den Zahlen zur US-Industrieproduktion und Daten zum verarbeitenden Gewerbe. Vom Konjunkturbericht der US-Notenbank am Mittwoch erhoffen sich Anleger dann Hinweise auf das Tempo zukünftiger Zinserhöhungen.

Spannend wird es am Mittwoch auch im US-Wahlkampf, wenn sich Donald Trump und Hillary Clinton dem dritten und letzten TV-Duell stellen. In Umfragen liegt Clinton derzeit vorn. "Wenn die Finanzmärkte realisieren, dass Trump gar keine Chance mehr hat, könnte auch das zu einer Rally führen", sagt Marktanalyst Jochen Stanzl vom Brokerhaus CMC Markets.

(AWP)