Genug Aktionäre überzeugt: Finanzinvestoren übernehmen Stada

(Ausführliche Fassung) - Die monatelange Übernahmeschlacht um den Pharmakonzern Stada ist entschieden. Die Finanzinvestoren Bain und Cinven haben im zweiten Anlauf die nötige Zustimmung der Aktionäre für ihr milliardenschweres verbessertes Angebot erhalten. Bis zum Ablauf der Übernahmefrist in der Nacht auf Donnerstag sei die erforderliche Mindestannahmeschwelle von 63 Prozent der Stimmrechte geknackt worden, teilten die Investoren am Freitag mit.
18.08.2017 13:30

"Wir sind froh, dass die Frage der zukünftigen Eigentümerstruktur nun geklärt ist", erklärte Stada-Chef Engelbert Willink. Alle kartellrechtlichen Freigaben seien erfolgt. Der Hersteller von Nachahmermedikamenten (Generika) und rezeptfreien Markenprodukten wie Grippostad könne sich nun wieder auf das operative Geschäft konzentrieren. "Mit der umfangreichen Branchenexpertise der neuen Eigentümer und ihrem Zugang zu einem weltweiten Netzwerk im Gesundheitswesen wird Stadas Position als global tätiges Pharmaunternehmen nachhaltig gestärkt", erklärte Willink.

Das Unternehmen und seine Mitarbeiter profitierten von dem Verkauf an das angelsächsische Investorenduo, ergänzte Aufsichtsratschef Ferdinand Oetker. "Wir sind davon überzeugt, dass Stada dank dieser Entscheidung langfristig erfolgreich sein wird."

STADA-AKTIE SCHIESST AUF ÜBER 73 EURO

Stada-Aktien schossen zeitweise um mehr als 14 Prozent auf über 73 Euro. Händler begründeten die Kurs-Rally vor allem mit Eindeckungen von Leerverkäufen: Spekulative Anleger, die mit geliehenen Stada-Aktien auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten diese Aktien nun am Markt zurückkaufen. Das trieb den Stada-Kurs steil nach oben. Viele Marktteilnehmer dürften zudem auf einen Sondergewinn durch einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag hoffen, der ab einer Schwelle von 75 Prozent möglich ist, sagte ein Händler. Sollte sie im ersten Schritt noch nicht erreicht worden sein, wäre es in einer Verlängerungsfrist immer noch möglich. Schliesslich sei es dann auch nur noch eine Frage der Zeit, bis Bain und Cinven nach dem Kauf weiterer Anteile mit dem Ausschluss der Minderheitsaktionäre (Squeeze Out) begännen.

Bain und Cinven waren im Juni zunächst mit der Übernahme von Stada gescheitert, da sie die nötige Annahmequote knapp verfehlten. Daraufhin hatten sie ihr Angebot um 25 Cent je Aktie auf 66,25 Euro je Papier erhöht und die Annahmequote gesenkt. Dennoch hatten die Investoren und der Pharmakonzern bis zuletzt um den Verkauf gezittert. So hatten sich viele Privatanleger geweigert, ihre Anteile anzudienen. Gerade Ärzte und Apotheker unter den Stada-Aktionären sehen den Verkauf kritisch. Zudem hatten sich viele Hedgefonds, die zuletzt die Hälfte der Anteile an Stada hielten, zurückgehalten.

STADA SOLL INTERNATIONAL EXPANDIEREN

Bain und Cinven erneuerten am Freitag ihre Absicht, mit dem Konzern international zu expandieren. "Nach dem erfolgreichen Abschluss der Transaktion werden wir das bestehende Geschäft von Stada weiter stärken und seine Position als global tätiges Pharmaunternehmen ausbauen", erklärten sie. Das genaue Ergebnis zur Annahmequote der Aktionäre soll später mitgeteilt werden.

Mit dem Angebot von Bain und Cinven in Höhe von 5,3 Milliarden Euro für den im MDax notierten Konzern ist die Übernahme eine der grösste Firmenverkäufe eines deutschen Unternehmens an Finanzinvestoren. Stada gilt als letzter unabhängiger Generika-Hersteller in der Bundesrepublik. Arbeitnehmervertreter hatten den Verkauf kritisch gesehen. Sie befürchteten trotz Zusagen der Investoren einen Abbau der rund 10 800 Jobs bei Stada./als/DP/tav

(AWP)