Geopolitische Sorgen und Ölpreis dämpfen Kauflust an Schweizer Börse

Die Anleger an der Schweizer Börse haben sich am Dienstag zurückgehalten.
30.05.2017 17:35

Sorgen um die Entwicklung in Italien und Griechenland, enttäuschende Konjunkturdaten aus Europa und der sinkende Ölpreis hielten die Marktteilnehmer von Käufen ab.

Das Geschäft verlief laut Händlern aber aktiver als am Vortag, als an den Börsen in den USA, in Grossbritannien und China feiertagsbedingt nicht gehandelt wurde. Der SMI notiert mit 9008 Zählern um 0,3 Prozent leichter. Am Montag war der Leitindex um 0,1 Prozent gefallen.

Die Anleger befürchten, dass in Italien bei möglichen vorgezogenen Neuwahlen im Herbst die Protestpartei "Fünf Sterne" die stärkste Kraft werden könnte. Und Griechenland will einem Zeitungsbericht zufolge notfalls ohne die nächste Milliardenhilfe seiner europäischen Partner auskommen. Ein Sprecher der griechischen Regierung wies den Bericht allerdings zurück. "Das schürt die Furcht vor einem Aufflammen der Euro-Krise", sagte ein Händler.

Auch enttäuschende Konjunkturzahlen aus der Euro-Zone, wo die Wirtschaftsstimmung überraschend gefallen war, und der unerwartet starke Rückgang des KOF-Konjunkturbarometers im Mai trübten die Stimmung der Anleger.

Die Anleger blieben trotz dieser Gemengelage relativ entspannt, sagt ein Händler. Das Angstbarometer der Börse, der Volatilitätsindex sank gar ein wenig und verharrte mit knapp 12 Punkten auf einem sehr tiefen Niveau.

Frischen Wind dürften ab Mittwoch die Daten zum US-Arbeitsmarkt an die Märkte bringen. Der Höhepunkt des Datenreigens wird am Freitag erreicht, wenn der monatliche Arbeitsmarktbericht der US-Regierung vorgelegt wird.

UBS-Aktie gibt deutlich nach

Bei den Standardwerten führen die Aktien der Grossbank UBS die Verliererliste an. Sie sacken um 1,5 Prozent ab. Rivalin Credit Suisse verliert 1,1 Prozent an Wert. Die Senkung der Anlageempfehlung für europäische Bankaktien durch die Deutsche Bank laste auf dem Sektor. Analysten der Bank hatten ihre Einschätzung für den Sektor am Dienstag auf "underweight" von "benchmark" herabgestuft. Zudem lösten neue Sorgen rund um die italienischen Banken im ganzen Sektor Verkäufe aus, heisst es. "Auch sind die Credit-Suisse-Titel am Vortag schlechter als UBS gelaufen", sagt ein Händler. Die politischen Probleme liessen keinen stärkeren Renditeanstieg zu. "Bankaktien dürften weiterhin einen schweren Stand haben."

Ein wenig besser schlugen sich die Anteile von Vermögensverwaltern wie Julius Bär und Vontobel. Versicherungswerte verlieren bis zu 1 Prozent an Wert.

Index-Schwergewicht Nestlé macht anfängliche Einbussen fast wett. Die beiden Pharmawerte Novartis und Roche drehen gar in die Gewinnzone. Dies verhilft auch dem Index zu einer Erholung.

Zyklische Titel neigen zur Schwäche. Die Aktien der Sanitärtechnikfirma Geberit, des Pharmazulieferers Lonza, des Luxusgüterherstellers Richemont und des Zementproduzenten Lafarge-Holcim verlieren zwischen einem halben und 1 Prozent. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB sinken um 0,2 Prozent. Der Uhrenhersteller Swatch schwächt sich um 0,3 Prozent ab.

Aryzta stürzen nach Zahlenpräsentation ab

Am breiten Markt stürzen die Aryzta-Aktien um 8,3 Prozent ab. Der Umsatz der Backwarenfirma sank in den ersten neun Monaten um 1,1 Prozent auf 2,88 Milliarden Euro. Verstimmt habe die Anleger in erster Linie aber das Fehlen einer Prognose und die Angst vor einer anhaltenden Margenschwäche, erklären Händler.

Die Titel von Sulzer sind praktisch stabil. Der Pumpenhersteller will durch Zukäufe wachsen. Finanzchef Thomas Dittrich sagte der "NNZ" (Dienstagausgabe), man halte Ausschau nach Akquisitionen. 2017 werde ein Umsatzplus von insgesamt 3 bis 5 Prozent angepeilt.

Die Aktien von Meyer Burger steigen um 2 Prozent. Nach dem Überwinden der Marke von einem Franken nähmen Deckungskäufe zu, erklärt ein Händler.

Die Aktien von Bell gewinnen 1,8 Prozent. Der Fleischverarbeiter verstärkt sein Geschäft mit Convenience-Produkten und übernimmt die Hilcona-Gruppe vollständig. Zudem investiert Bell in Österreich rund 30 Millionen Euro in einen neuen Produktionsbetrieb.

(Reuters)