Gespräche mit Investoren auf Verwaltungsratsebene nehmen zu

Der Austausch zwischen Verwaltungsrat und Investoren findet nicht mehr nur an den jährlichen Aktionärstreffen statt. Auf Drängen von mehrheitlich ausländischen Investoren treffen sie sich immer häufiger zu so genannten "Engagement-Gesprächen", wie eine am Mittwoch publizierte Studie der Swipra zeigt.
08.11.2017 12:20

Bei diesen Treffen gehe es den Investoren nicht darum, das Unternehmen in seinen strategischen Zielen zu beeinflussen, schreibt die Stimmrechtsberaterin für Pensionskassen Swipra in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Diskutiert würden hauptsächlich Themen zur Governance-Struktur oder Unklarheiten zu Traktanden der Generalversammlung. Vielfach gehe es auch darum, das Unternehmen besser zu verstehen. Solche individuellen Gespräche übers Jahr hinweg hätten bei fast der Hälfte der befragten Unternehmen zugenommen.

Dabei drängten laut Swipra vor allem ausländische Investoren auf einen stärkeren Austausch. Der Aufwand lohnt sich. Gemäss der Umfrage passen zwei Drittel der Unternehmen nach diesen Gesprächen ihre Governance-Struktur an. Zum Vergleich: Nach den jährlichen Generalversammlungen würden nur knapp 42% der Unternehmen die Governance ändern.

Von diesem individuellen Austausch profitieren aber auch die Unternehmen. Anstatt nur von Stimmrechtsberatern beurteilt zu werden, würden sie an diesen Gesprächen ihre Sichtweise darstellen können. Laut Swipra stützen sich nämlich die Mehrheit der Investoren (60,7%) bei der Ausübung ihrer Stimmrechte auf die Analysen von Stimmrechtsberatern und nicht auf Informationen des Unternehmens.

ABSTIMMUNGEN ZU MANAGERLÖHNEN AKZEPTIERT

Die Studie beinhaltet auch Fragen zum Thema Vergütung. Seit drei Jahren müssen kotierte Schweizer Unternehmen bindende Abstimmungen zu den Managerlöhnen durchführen. Das war ein Kernpunkt der Abzocker-Initiative des Unternehmers Thomas Minder.

Investoren zeigten sich gegenüber diesen Bestimmungen bisher skeptisch. Zu ungewiss seien die Folgen einer möglichen Ablehnung und zu etabliert die konsultativen Abstimmungen.

Das habe sich nun geändert. Laut der Studie sehen 82,6% der Investoren bindende Abstimmungen zur Vergütung der Firmenspitze inzwischen als wichtiges Instrument, um Kritik an der Vergütung zu äussern. Nur rund ein Viertel schätzt die Auswirkung einer abgelehnten Abstimmung als wirklich wesentlich ein.

Diese Ansicht teilen auch zwei Drittel der befragten Unternehmen. Sie würden die langfristigen Vergütungselemente offenbar mehrheitlich als ausreichend einschätzen, um dem Management selbst im Falle abgelehnter Boni angemessene Leistungsanreize zu setzen.

UNZUFRIEDEN MIT OFFENLEGUNG DER MANAGERLÖHNE

Unzufrieden zeigten sich die Befragten hingegen zu der Art und Weise, wie Unternehmen ihre Managerlöhne offenlegen. Gemäss der Hälfte der befragten Investoren und Unternehmen hat sich zwar die Qualität der Offenlegung verbessert. Der Zusammenhang zwischen Leistung und Vergütung würde aber nach wie vor zu wenig dargelegt.

So empfanden 42,9% der Schweizer Investoren und 35,3% der ausländischen Investoren die Offenlegung der sogenannten "Pay for Performance" als ungenügend. Swipra sieht vor allem ungeeignete Leistungskennzahlen als möglichen Grund für den Unmut der Investoren.

Die anhaltende Unzufriedenheit scheint sich in den steigenden, im Vergleich mit den USA und Grossbritannien teilweise sehr hohen Ablehnungsraten in den Abstimmungen zu den Managerlöhnen zu manifestieren, wie Swipra weiter ausführt.

Die Studie zur Entwicklung der Corporate Governance in der Schweiz wurde von Swipra und dem Institut für Banking und Finance der Universität Zürich durchgeführt. Daran teilgenommen haben 83 börsenkotierte Unternehmen (SPI) sowie 65 institutionelle Vermögensverwalter aus dem In- und Ausland.

(AWP)