Gestiegener Ölpreis befeuert BASF-Jahresstart - Konzern in Kauflaune

(neu: Aussagen aus der Telefonkonferenz) - Nach einem Gewinnsprung im ersten Quartal 2017 hält der Chemieriese BASF angesichts der Fusionswelle in der Branche weiter Ausschau nach Übernahmekandidaten. Grundsätzlich gebe es Interesse, das strategisch wichtige Pflanzenschutzgeschäft weiter zu stärken, sagte Vorstandschef Kurt Bock bei der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag in Ludwigshafen. Dabei hob er auch die Bedeutung des Öl- und Gasgeschäfts hervor, das von Januar bis März kräftig vom gestiegenen Ölpreis profitierte. Trotz Vorbehalten wegen politischer Unsicherheiten in Europa und den USA bestätigte der Chef des weltgrössten Chemiekonzerns die Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Jahr. Das Ziel seien Zuwächse in allen Geschäften. "Das sollte uns auch gelingen."
27.04.2017 12:53

Im ersten Quartal 2017 trieben neben höheren Gas- und Ölpreisen bessere Geschäfte mit Basischemikalien den Gewinn in die Höhe. Zudem profitierte die Wintershall-Mutter BASF von einer guten Nachfrage nach Katalysatoren, Bauchemikalien und Farben. "BASF ist gut in das Jahr 2017 gestartet", sagte Bock. Die Nachfragetrends vom vergangenen Jahr hätten sich auch im ersten Jahresviertel fortgesetzt.

GEWINNSPRUNG IM QUARTAL

Der operative Gewinn (Ebit) vor Sondereffekten wuchs im Vergleich zum Vorjahresquartal um 29 Prozent auf knapp 2,5 Milliarden Euro. Im Chemiegeschäft glich eine Versicherungszahlung von 100 Millionen Euro die Ausfälle aus, die der tödliche Unfall im Landeshafen Nord der BASF im Oktober 2016 in diesem Zeitraum verursachte. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 1,7 Milliarden Euro hängen. Das war ein Plus von 23 Prozent zum Vorjahr. Der Umsatz kletterte dank erhöhter Preise und Absatzmengen um 19 Prozent auf 16,9 Milliarden Euro. BASF übertraf mit seinen Kennziffern die Erwartungen der Analysten.

Aktionäre des Chemiekonzerns BASF waren trotz eines unerwartet deutlichen Gewinnsprung nicht zufrieden. Die Aktie gab im Mittagshandel um 1,6 Prozent nach. Michael Schäfer von der Commerzbank sah den guten Jahresstart von der unveränderten Jahresprognose getrübt. Einige Investoren hatten auf eine Erhöhung der Prognose gehofft.

ZUKÄUFE IM PFLANZENSCHUTZ GEPLANT

Für 2017 peilt BASF beim Umsatz (2016: 57,6 Milliarden Euro) ein Plus von mindestens sechs Prozent an. Das Ebit vor Sondereffekten (2016: 6,30 Milliarden Euro) soll um bis zu zehn Prozent zulegen. "Wir gehen davon aus, dass dieser Anstieg im oberen Bereich des Rahmens von bis zu 10 Prozent liegen wird", sagte Bock. Für das zweite Quartal wird wegen des Explosionsunglücks wie in den beiden Vorquartalen ein Ergebnisausfall von etwa 100 Millionen Euro erwartet. Wie viel die Versicherung insgesamt zahlen müsse, werde im dritten Quartal feststehen, so Bock. Dabei werde auch der Sachschaden berücksichtigt.

Mit Blick auf die Expansionspläne für das Pflanzenschutzgeschäft sagte Bock: "Dazu zählen Akquisitionen, das können wir uns durchaus vorstellen." Allerdings gehörten dazu nicht nur zwei, sondern drei, denn die Behörden müssten ein solches Geschäft auch absegnen. Im vergangenen Geschäftsjahr kam die BASF-Agrochemie auf einen Umsatz von knapp 5,6 Milliarden Euro. In diesem Bereich würde damit das Unternehmen durch die anstehenden Fusionen deutlich zurückfallen.

CHEMIEBRANCHE IN BEWEGUNG

In der Chemiebranche ist momentan viel in Bewegung. Vor mehr als einem Jahr hatten die US-Grosskonzerne Dow Chemical und Dupont ihre Fusionspläne öffentlich gemacht. Mit der neuen DowDupont soll der weltgrösste Chemiekonzern noch vor dem alten Spitzenreiter BASF entstehen. Aber auch der schweizerische Agrochemiekonzern Syngenta und der chinesische Staatskonzern ChemChina wollen zusammengehen. Während sich die Übernahme von Syngenta durch ChemChina im Schlussspurt befindet, stehen bei der Fusion von Dow Chemical und Dupont nach der Billigung durch die EU-Kommission noch weitere Hürden an.

Ausserdem will Bayer den umstrittenen US-Saatgutherstellers Monsanto übernehmen. Für die Rekord-Übernahme fehlen aber noch die Genehmigungen. BASF hatte betont, sich alle Verkäufe, die durch die Fusionen entstehen, ansehen zu wollen.

ÖL-PRODUKTION IN LIBYEN STEHT

Finanzchef Hans-Ulrich Engel sagte, BASF plane, die Produktion im Öl- und Gasgeschäft im Jahr 2017 stabil zu halten. Die Fördermenge hänge aber auch vom Libyen-Geschäft ab, wo seit März die Produktion wieder steht, so Engel. Seit Sommer 2013 musste Wintershall die Onshore-Produktion in Libyen auf dem Land wegen Belagerungen von Ölterminals und fehlenden Transportkapazitäten als Folge der politischen Konflikte mehrmals aussetzen. Bei möglicher Produktion förderte die BASF-Tochter dort täglich im Schnitt 35 000 Barrel Öl. Nach früheren Unternehmensaussagen wären aber bis zu 90 000 Barrel pro Tag möglich./mne/jes/fbr

(AWP)