Gesundheitswerte stärkste Gewinner an Börse - Diplomatische Stellungnahmen

Zürich (awp) - Die USA haben gewählt und Donald Trump zum neuen Präsidenten erkoren. Die ersten Marktreaktionen fallen deutlich aus. Hierzulande profitieren in einer ersten Reaktion vor allem sämtliche Aktien aus dem Gesundheitssektor. Besonders deutlich steigen die beiden Schwergewichte Roche und Novartis. Beide Konzerne äussern sich gegenüber AWP in ersten Kommentaren eher diplomatisch.
09.11.2016 10:04

Gegen 9.50 Uhr gewinnen die Anteilsscheine von Roche, Novartis und Actelion zwischen 2,2% und 3,3% hinzu. Es folgen dichtauf die Aktien von Galenica und Sonova mit Aufschlägen von 2,4 und 1,2%. Aber auch im breiten Markt können sich Aktien aus dem Gesundheitssektor wie BB Biotech, Basilea und auch Santhera mit Kursaufschlägen zwischen 2,0 und 6,6% klar besser als der Gesamtmarkt halten. Dieser notiert gemessen am SPI mit 0,34% wieder knapp im Plus. Er pendelt seit Handelsbeginn in einer engen Spanne um den Vortagesschlusskurs.

INVESTOREN SUCHEN NACH GEWINNERN UND VERLIEREN

In ersten Reaktionen versuchen Marktteilnehmer bereits die potenziellen Gewinner und Verlierer eines Trump-Sieges auszumachen. Zu den Gewinnern zählen sie die grossen Pharma-Werte, da Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton umfangreiche Eingriffe in den Gesundheitssektor in Aussicht gestellt hatte. Clinton hatte sich mehrfach vor allem über die Preisgestaltung in der Branche und die teilweise exorbitant hohen Ausgaben kritisch geäussert.

Bei Exane BNP Paribas zählen die Experten die Aktien von Roche zu den potenziellen Gewinnern unter einer Regierung Trump. Novartis dagegen zählen sie eher zu den Verlierern.

PHARMA-SCHWERGEWICHTE ÄUSSERN SICH DIPLOMATISCH

In ersten Reaktionen erklären die beiden Grosskonzerne auf AWP-Anfrage, sie würden an ihrer bisherigen Strategie festhalten. In einer Stellungnahme von Roche heisst es: "Roche ist darauf fokussiert, innovative Medikamente und diagnostische Tests zu entwickeln, und wir sind überzeugt, dass die USA auch weiterhin Innovation und medizinischen Fortschritt schätzen und unterstützen werden."

Ähnlich äussert sich ein Sprecher des zweiten Börsen-Schwergewichts Novartis. Man freue sich auf "die Zusammenarbeit mit der neuen US-Regierung und dem neuen Parlament, um Lösungen zu finden, die auch weiterhin Innovation belohnen und Patienten den Zugang zu den benötigten Medikamenten ermöglichen, um länger, gesünder und produktiver zu leben."

Zurückhaltender gibt man sich beim Hörsystem-Hersteller Sonova: Es sei noch zu früh, um etwas zu sagen, heisst es dort. Die USA sind der wichtigste Markt für Sonova.

BRANCHE HAT NACH JÜNGSTEN VERLUSTEN ZUNÄCHST AUFHOLPOTENZIAL

Die Experten der RBC schreiben in einem ersten Kommentar, dass sie davon ausgehen, dass Trump - anders als während des Wahlkampfes angekündigt, nicht das komplette Gesundheitssystem (Obamacare) auf den Kopf stellen könne. Das System sei mittlerweile viel zu tief im Gesamtsystem verankert. Es gliche einer Herkulesaufgabe, dies wieder rückgängig zu machen.

Wie ein Händler noch hervorhebt, hatte gerade der Gesundheitssektor im Vorfeld der Wahlen zu den grössten Verlierern gehört. Er sei sogar seit den ersten Aussagen von Clinton zu einer möglichen Preis-Regulierung schwächer gewesen. Entsprechend hätten viele Aktien in der Branche einen möglichen Clinton-Sieg bereits in ihren Kursen enthalten. Mit der Wahl Trumps werde dieser Discount nun aufgelöst, was die Kursgewinne erklärt.

hr/tp

(AWP)