Gewerkschaft kritisiert Umsetzung des Lohnsystems bei der Post

Bern (awp/sda) - Die Gewerkschaft Syndicom ortet bei der Umsetzung des neuen Lohnmodells bei der Post vereinzelt Mängel. Sie beruft sich dabei auf eine Umfrage bei über 550 Postangestellten. Die Post weist die Vorwürfe von sich und zeigt sich über den Gang an die Öffentlichkeit ihrer Sozialpartnerin befremdet.
01.07.2016 17:15

Der neue Gesamtarbeitsvertrag (GAV) der Post AG trat am 1. Januar 2016 in Kraft. Im April kam zum ersten Mal das angepasste Lohnmodell zur Anwendung. Von den rund 550 befragten Postangestellten seien 88% jedoch "nur teilweise oder gar nicht zufrieden" mit der Umsetzung des Lohnsystems durch die Post, teilte die Gewerkschaft am Freitag mit.

Einzelne Angestellte kritisierten demnach etwa, für die Gesamtsumme der Lohnerhöhungen sei eine falsche Berechnungsgrundlage vorgenommen worden.

Im GAV sei vereinbart, dass 0,6% der Gesamtlohnsumme (bei PostAuto 0,4%) aller Mitarbeitenden als Berechnungsgrundlage dienten. Mindestens in einzelnen Bereichen sei aber nur die Gesamtlohnsumme jener genommen worden, die innerhalb des Lohnbandes lägen.

Damit verringere sich die Gesamtsumme, die für individuelle Lohnerhöhungen zur Verfügung steht, schreibt die Gewerkschaft weiter. Sollten die Vorwürfe zutreffen, käme dies einer Verletzung des GAV gleich.

POST ZEIGT SICH ERSTAUNT

Ein Sprecher der Post zeigte sich am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda über das Vorgehen der Gewerkschaft Syndicom "sehr erstaunt". Die Post habe mit den Gewerkschaften vereinbart, sozialpartnerschaftliche Anliegen direkt zu behandeln, bevor der Gang an die Öffentlichkeit gesucht werde. Die Post halte sich an diese Abmachung, sagte Post-Sprecher Oliver Flüeler.

Die Post habe das Lohnsystem zusammen mit den Gewerkschaften in den beiden letzten Jahren erarbeitet und im neuen Gesamtarbeitsvertrag festgehalten. Darunter fielen auch die Lohnbänder mit den festgelegten Minimal- und Maximalbeträgen. Die Post respektiere den neuen GAV.

Die 62'000 Mitarbeitenden der Post würden zudem im Rahmen einer jährlichen Personalumfrage zu ihrer Zufriedenheit mit dem Lohn und den Anstellungsbedingungen befragt. Insgesamt habe die Lohnzufriedenheit im Jahr 2015 einen höheren Wert erreicht als im Vorjahr, schreibt Flüeler.

Von der Umfrage, die Syndicom laut eigenen Angaben bei 550 Mitarbeitenden durchgeführt hat, habe die Post keine Kenntnis und könne dazu keine Stellung nehmen.

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(AWP)