Glencore senkt Verlust und Schulden im ersten Halbjahr

(Meldung um weitere Details ergänzt)
24.08.2016 11:23

Baar (awp) - Glencore spürt die weiterhin tiefen Rohstoffpreise und ist im ersten Halbjahr 2016 in der Verlustzone steckengeblieben. Allerdings reduzierte der Rohwarenhändler und Bergbaukonzern das Minus für die gesamte Gruppe deutlich und hat auch beim Schuldenabbau Fortschritte gemacht. An der Londoner Börse geben die Aktien nach.

Der Umsatz ging laut einer Mitteilung des Unternehmens vom Mittwoch im ersten Semester um 6% auf 69,43 Mrd USD zurück. Das adjustierte operative Ergebnis (EBIT) brach von Januar bis Juni um 38% auf 875 Mio USD ein. Unter dem Strich reduzierte sich das Minus für die gesamte Gruppe auf 615 Mio USD nach 817 Mio in der Vorjahresperiode. Davon entfielen -369 Mio USD auf die Aktionäre.

Der Konzern lobt in der Mitteilung dennoch die Entwicklungen seiner Geschäfte, da sich die Situation von den Tiefstständen bei zahlreichen Rohstoffnotierungen zu Jahresbeginn mittlerweile deutlich entspannt habe.

Glencore hatte im ersten Halbjahr 2015 insgesamt Sonderbelastungen in Höhe von 1,56 Mrd USD verbucht. Für das erste Semester 2016 beziffert Glencore die "significant items" nun auf noch 669 Mio USD, die tiefere Bewertung von Hedging-Kontrakten für Kohle bestreiten mit 395 Mio den Löwenanteil.

Bereinigt um sämtliche Sondereffekte ergab sich ein Gewinn von 300 Mio USD, so Glencore weiter. Das war aber 66% weniger als vor einem Jahr.

HANDEL MIT ÜBERSCHUSS UND PRODUKTION MIT VERLUST

Im Sektor Metals and Minerals stieg der bereinigte EBIT um 35% auf 1,33 Mrd USD. Darin reflektiere sich die Normalisierung der Marktbedingungen, so Glencore mit Blick auf das bessere Handelsergebnis. Im Handel lag der Umsatz bei 20,0 Mrd USD (+4,8%) und der adjustierte EBIT bei 852 Mio (+92%).

Tiefere Rohstoffpreise schmälerten indes die Erträge im Minengeschäft um 16% auf 10,8 Mrd USD und den adjustierten Betriebsgewinn um 11% auf 485 Mio. Die meisten Rohstoffkategorien hätten sich aber in der Zwischenzeit wieder von ihren Tiefstständen erholt, stellt Glencore fest.

Bei den Energy Products (Kohle und Öl) erzielte Glencore einen Umsatz von 39,6 Mrd USD (-7,8%). Davon entfiel mit 36,2 Mrd (-5,6%) der Löwenanteil auf das Handelsgeschäft. Mit der Förderung der beiden Energieträger verdiente Glencore noch knapp 3,4 Mrd USD (-26%).

Der Betriebsgewinn sank im Handel um 47% auf 252 Mio und in der Förderung wurde ein Verlust von 589 Mio eingefahren. In der Summe lag der adjustierte EBIT des Energiesegments bei -589 Mio CHF, nach einem Überschuss von 458 Mio im Vorjahr.

Bei den Agrar-Rohstoffen erwirtschaftete Glencore 9,7 Mrd USD (-18%) und einen bereinigten EBIT von 115 Mio (-50%). Agricultural Products wird von Glencore als nicht-weitergeführtes Geschäft verbucht. 40% an Glencore Agri wurden im April Canada Pension Plan Investment Board (CPPIB) für 2,5 Mrd USD verkauft, weitere 9,99% im Juni an die British Columbia Investment Management Corporation (BCIMC) für 624,9 Mio.

SCHULDENABBAU

Nicht zuletzt dank dieser Devestitionen sieht sich Glencore auf Kurs, wie versprochen in diesem Jahr mit Veräusserungen zwischen 4 und 5 Mrd USD einzunehmen. Mit dem Verkauf von Unternehmensteilen im Wert von bisher 3,9 Mrd ist denn auch der grösste Teil schon abgearbeitet.

In der Nacht auf Mittwoch hatte Glencore zudem mitgeteilt, Produktionsrechte für die australische Gold- und Kupfermine Ernest Henry Mine (EHM) für 880 Mio AUD an die australische Bergbaugesellschaft Evolution Mining verkaufen zu wollen.

Gleichzeitig hat Glencore die Investitionen in der Berichtsperiode auf 1,6 Mrd USD halbiert. In der Folge konnten die Schulden um 2,3 Mrd auf 23,6 Mrd USD abgebaut werden. Bis Ende Jahr sollen diese auf ein Niveau von 16,5 bis 17,5 Mrd USD gesenkt werden.

Die Aktien von Glencore rutschen in London mit minus 5,1% auf 180,02 Pence ans Ende des FTSE 100. Die Gewinnzahlen hätten enttäuscht, erklärten Analysten.

Glencore mit Sitz in Baar in der Schweiz handelt mit Öl, Kohle, Metallen und Landwirtschaftsprodukten. Das Unternehmen entstand aus der Fusion von Glencore International und Xstrata, die im Mai 2013 abgeschlossen wurde.

ra/rw

(AWP)