Goldman Sachs stellt europäischen Aktienmärkten ein gutes Zeugnis aus

Die Sterne für Europas Aktienmärkte stehen nach Ansicht der Wall-Street-Bank Goldman Sachs günstig. "Geld fliesst nach Europa. Das war in den vergangenen Jahren nicht so", sagte Kapitalmarkt-Spezialist Christoph Stanger zu Wochenbeginn in Frankfurt. "Es ist eine echte Trendwende."
11.07.2017 11:30

Stanger, der bei Goldman Sachs in Europa unter anderem für Börsengänge zuständig ist, sieht die Abnahme politischer Risiken als Auslöser dafür. "Der Startschuss für amerikanische Investoren war der Ausgang der Wahl in Frankreich." Hier hatte sich der wirtschaftsliberale Kandidat Emmanuel Macron durchgesetzt. "Die extremen politischen Bewegungen in Europa haben einen Dämpfer erhalten."

Seit Jahresbeginn seien knapp 23 Milliarden US-Dollar in europäische Investmentfonds geflossen, rechnete Stanger vor. Das liege auch daran, dass europäische Aktien noch vergleichsweise niedrig bewertet seien. Ein grosser Teil des Geldes fliesse in Finanzwerte.

Stanger erwartet momentan weder von den Notenbanken noch vom Ölpreis oder von der europäischen Politik böse Überraschungen. So seien in Spanien und Italien die Problembanken angegangen worden. "Der Brexit hat aktuell keine wirkliche Marktrelevanz, zumindest nicht für die Aktienmärkte." Eher sollten die Investoren die USA im Auge behalten wegen der von Präsident Donald Trump versprochenen, aber bislang nicht umgesetzten Steuerreform.

Ohnehin warnte der Experte, die Anleger dürften nicht in allzu grosse Sorglosigkeit verfallen: Eine derart niedrige Volatilität und das über einen solch langen Zeitraum hätten die Märkte "schon lange nicht mehr gesehen". Deshalb sei Vorsicht geboten. Eine wirkliche Korrektur erwartet Stanger indes erst, wenn der Markt auf Sicht von zwölf Monaten mit rezessiven Tendenzen rechnet.

Sollte der Lauf anhalten, geht Stanger auch von einem guten Jahr für Börsengänge aus. "In Deutschland laufen sich einige interessante Unternehmen für einen Börsengang in den kommenden zwölf Monaten warm." Darunter dürften auch Kandidaten für einen Emissionserlös im Milliardenbereich sein. So wird damit gerechnet, dass die Deutsche Bank in naher Zukunft ihren Vermögensverwalter Deutsche Asset Management an die Börse bringt und Siemens seine Medizintechnik-Sparte Healthineers./das/ag/she

(AWP)