Goldman und Berenberg erwarten in Deutschland IPO-Schwemme nach Wahl

Die Investmentbanken Goldman Sachs und Berenberg sehen nach der Bundestagswahl eine Welle an Börsengängen und Kapitalmassnahmen auf die Märkte zurollen. Alleine bei Berenberg stünden sieben Transaktionen an, sagte der persönlich haftende Gesellschafter Hendrik Riehmer am Freitag bei einem Pressegespräch in Frankfurt. "Wir haben in einem vierten Quartal noch nie eine solche Häufigkeit gehabt."
15.09.2017 13:02

Jörg Kukies, Co-Chef von Goldman Sachs in Deutschland und Österreich, pflichtete Riehmer bei, dass ein "goldener Herbst" bevorstehe. "Es gibt auch eine sehr gute Nachfrage", ergänzte er. Ein Grund sei, dass sich viele US-Investoren Europa zuwendeten. "Die Kapitalflüsse gehen eindeutig von den USA nach Europa."

Schon im bisherigen Jahresverlauf hatte es einige aufmerksamkeitsträchtige Transaktionen gegeben: So waren der Lieferdienst Delivery Hero und die Restaurantkette Vapiano an die Börse gegangen; die Deutsche Bank hatte eine 8 Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung gestemmt.

In Deutschland gebe es "extrem gesunde Makrotrends", sagte Goldman-Experte Kukies. "Das einzige, was uns zurückhält, ist ein Mangel an Arbeitskräften." Bei den Unternehmen gehe es nicht mehr vordringlich um Kostensenkungen, ergänzte Riehmer. Stattdessen sehe er auf breiter Front steigende Umsätze. Vor diesem Hintergrund sieht er den Leitindex Dax bis Mitte nächsten Jahres bei 13 700 Punkten stehen - das wäre ein Zuwachs von annähernd 10 Prozent. "Die nächsten neun Monate herrscht freie Fahrt", sagte Riehmer.

"Der Markt geht davon aus, dass der Sonnenschein so weitergeht", sagte auch Kukies. Die Gefahr sei derzeit schon eher, dass die Anleger kaum Risiken sähen. Innerhalb Europas rät er dazu, Italien und Spanien im Auge zu behalten. Von Seiten der Geldpolitik erwartet er dagegen keine bösen Überraschungen.

"Der Brexit ist für die Investoren eher ein politisches Schauspiel", erklärte Berenberg-Gesellschafter Riehmer. Auch von der Bundestagswahl liessen sich die Investoren nicht abschrecken. Im Ausland werde die bisherige Regierung als die nächste Regierung wahrgenommen, schilderte er seine Eindrücke von einer kürzlichen USA-Reise.

Als Beleg für die gute Stimmung im Markt führten Kukies und Riehmer das Interesse an der kommende Woche stattfindenden German Corporate Conference ins Feld, die die beiden Banken gemeinsam ausrichten. Mit 160 teilnehmenden Unternehmen aus Deutschland sei ein Rekord erreicht. Von Investorenseite gebe es mehr als 600 Anmeldungen aus 20 Nationen./das/oca/stb

(AWP)