Griechenland-Reisen stärken Erholung von Thomas Cook - Auch Tui legt zu

(Ausführliche Fassung) - Eine starke Nachfrage nach Sommerurlauben hebt die Stimmung bei Europas zweitgrösstem Reiseveranstalter Thomas Cook . Vergangenes Jahr hatte die Türkei-Krise den Mutterkonzern von Neckermann Reisen und Öger Tours noch schwer getroffen. Doch für Sommer 2017 hat der Veranstalter bis jetzt zwölf Prozent mehr Reisen verkauft als vor einem Jahr. Vor allem Griechenland sei sehr gefragt, sagte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser bei der Vorlage der Halbjahresbilanz am Donnerstag in London. Auch das Interesse an der Türkei nehme wieder zu.
18.05.2017 11:02

An der Börse sorgten die Nachrichten nach einem kurzzeitigen Kurssprung um fast drei Prozent für keine klare Reaktion mehr. Der Kurs pendelte zwischen Verlust- und Gewinnzone und lag zuletzt mit 0,11 Prozent im Minus bei 93,90 britischen Pence.

Die Erholung von Thomas Cooks Buchungszahlen hat sich in den vergangenen Monaten immer weiter verstärkt. Hatte die Nachfrage nach Sommerurlauben im Februar noch neun Prozent höher gelegen als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, weitete sich das Plus bis Ende März auf zehn Prozent und jetzt auf zwölf Prozent aus.

Dabei konnte Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser im Veranstaltergeschäft bisher insgesamt höhere Preise durchsetzen. In Kontinentaleuropa mit Deutschland als grösstem Markt geben die Kunden für ihre Sommerurlaube im Schnitt etwa gleichviel aus wie vor einem Jahr. Die Buchungen liegen hier bisher 15 Prozent höher - vor allem dank der Kunden aus Deutschland.

Die Briten greifen für Pauschalreisen unterdessen deutlich tiefer in die Tasche. Im Schnitt geben sie für eine Thomas-Cook-Reise bisher acht Prozent mehr aus als vor einem Jahr. Dazu dürfte vor allem der Wertverlust des britischen Pfunds beitragen. Dieser macht etwa Urlaub an den Mittelmeerstränden der Euroländer für die Briten teurer. Der weltgrösste Reiseveranstalter Tui hatte am Montag von einem ebenso hohen Preisanstieg in Grossbritannien berichtet. Von seinen Kunden aus Deutschland nimmt Tui im Schnitt drei Prozent mehr ein - kommt hierzulande aber nur auf vier Prozent mehr Buchungen als vor einem Jahr.

Dass die Buchungen bei Thomas Cook deutlich stärker anziehen, liegt auch am Türkei-Geschäft. Der Buchungseinbruch nach Terroranschlägen und dem Putschversuch im Land hatte den Konzern mit seiner Türkei-Marke Öger Tours besonders stark getroffen. Nach einem weiteren Rückgang habe das Interesse an Türkei-Urlauben zuletzt wieder zugenommen, berichtete der Veranstalter jetzt. Die Nachfrage liege nun immerhin auf dem Niveau von 2016.

Besonders gefragt sind laut Fankhauser in diesem Sommer vor allem Reisen nach Griechenland. Aber auch kleinere Ziele wie Zypern und Bulgarien legten zu. Der Buchungsschub für die spanischen Inseln habe hingegen nachgelassen. Die Türkei-Krise hatte Spanien 2016 einen starken Gästezustrom beschert.

Im Winterhalbjahr bis Ende März blieb Thomas Cook wie für die Saison üblich deutlich in den roten Zahlen. Der Umsatz legte zwar getrieben vom schwachen britischen Pfund um zwölf Prozent auf 2,99 Milliarden Pfund (3,5 Mrd Euro) zu. Der um Sonderposten bereinigte operative Verlust (Ebit) weitete sich aber um neun Prozent auf 177 Millionen Pfund aus. Unter dem Strich wuchs das Minus um knapp ein Prozent auf 267 Millionen Pfund.

Dabei zogen rote Zahlen des deutschen Ferienfliegers Condor das Ergebnis nach unten. Der bereinigte operative Verlust lag mit 41 Millionen Pfund rund doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Das bereits eingeleitete Sparprogramm soll die Gesellschaft aber im gesamten Geschäftsjahr bis Ende September wieder in die Gewinnzone führen. Dabei muss die Gesellschaft einen weiteren Verfall der Ticketpreise wettmachen. Bisher liegen diese für den Sommer vier Prozent niedriger als im Vorjahr. Reiseveranstalter fahren im Winter in der Regel Verluste ein. Ihre Gewinne erzielen sie in der Hauptreisezeit im Sommer./stw/ag/stb

(AWP)