Grossbank Credit Suisse sieht sich mit Neuausrichtung auf Kurs

(Durchgehend neu und ergänzt um mehr Details) - Die Credit Suisse nimmt das letzte Jahr ihrer 2015 angekündigten, dreijährigen Restrukturierungsphase in Angriff. Anlässlich des Investorentags am Donnerstag in London sieht sich die Grossbank auf Kurs und gibt sich zuversichtlich, den Turnaround planmässig abzuschliessen. Für den Geschäftsgang im laufenden Jahr wurden die zuletzt gemachten Aussagen mehr oder weniger bestätigt.
30.11.2017 09:37

"Unsere Strategie funktioniert", sagte CEO Tidjane Thiam in einer Mitteilung vom Donnerstag. Die Credit Suisse erziele profitables Wachstum, habe die Risiken im Handel reduziert und die Compliance sowie Kontrollen verbessert. Zudem haben man die Kostenbasis nachhaltig gesenkt und Verluste aus Altlasten signifikant reduziert. Seit dem letztem Investorentag (Dezember 2016) sei darüber hinaus die Kapitalbasis deutlich gestärkt worden.

"Die Bank hat sich seit der Ankündigung der neuen Strategie stark entwickelt in Richtung eines führenden Vermögensverwalters mit starkem Investmentbanking", so der Konzernchef weiter. Der Fokus auf das Wealth Management zahle sich aus.

KOSTENBASIS AB 2019 BEI 16,5 BIS 17,0 MRD

Im Vordergrund bleiben bei der Credit Suisse aber die Kosteneinsparungen. 2017 werden die Einsparungen brutto bei rund 4,1 Mrd CHF erwartet, was Gesamtkosten von rund 18 Mrd CHF ergibt. Das CS-Management hatte sich diesbezüglich einen Wert von unter 18,5 Mrd zum Ziel genommen. Bis Ende 2018 sollen es dann weniger als 17 Mrd sein, was eine Bestätigung früherer Angaben ist. In den Jahren 2019 und 2020 wird die Kostenbasis dann zwischen 16,5 und 17 Mrd CHF erwartet, wie es weiter hiess.

Trotz weiterer Kostenreduktion will das Management aber investieren - etwa in die Umsetzung regulatorischer Vorgaben oder die Steigerung der Effizienz. Als Beispiel nennt die Credit Suisse die Implementierung von mehr Robotern oder einen höheren Anteil der Betriebssysteme in Cloud-Lösungen bis 2020.

Für 2019 und 2020 dürfte dies zusammen mit weiteren Massnahmen zu zusätzlichen Produktivitätssteigerungen von rund 600 Mio bis 800 Mio führen, so die CS. Einsparungen sollen in die Entwicklung neuer Wealth-Management-Märkte, die Einstellung von Relationship-Managern und die weitere Transformation der Technologie durch Digitalisierung, Robotik und Automation investiert werden.

DIVISIONSZIELE BESTÄTIGT

Die Profitabilitätsziele für die einzelnen Divisionen bis 2018 wurden indes grösstenteils bestätigt. In der wichtigen Region APAC rechnet die Bank im Wealth Management (sowie den zugehörigen Geschäften) für 2017 mit einem (bereinigten) Vorsteuergewinn von 700 Mio CHF 2017. Diesen Wert wollte die Bank eigentlich erst 2018 erreichen, so dass das Ziel für 2018 in diesem Bereich der Division nun auf 850 Mio CHF erhöht wird.

APAC Markets hingegen im vierten Quartal 2017 einen Vorsteuerverlust in etwa im Rahmen des Vorjahresquartals erzielen. Insgesamt war für APAC bislang ein Vorsteuergewinn 2018 von 1,6 Mrd CHF in Aussicht gestellt worden. Für das laufende Jahr schätzt die Credit Suisse ausserdem den bereinigten Vorsteuergewinn der Schweizer Einheit SUB bzw. vom internationalen Wealth Management (IWM) auf rund 1,8 Mrd bis 1,9 Mrd CHF bzw. 1,4 Mrd bis 1,5 Mrd CHF.

ABWICKLUNG LÄUFT

Auch die Veräusserung der nicht mehr als strategisch deklarierten Geschäftsfelder, aus denen die Bank aussteigen will, läuft offenbar planmässig. Man sei zuversichtlich, dass die Abwicklung grösstenteils 2018 abgeschlossen werden kann, so die Bank. In der Strategic Resolution Unit (SRU) wird der erwartete Vorsteuerverlust für das kommende Jahr weiterhin mit 1,4 Mrd USD beziffert. 2019 sollte er lediglich noch 0,5 Mrd erreichen - nach zuvor erwarteten 0,8 Mrd.

Angesichts all dieser Entwicklungen - profitables Wachstum im Vermögensverwaltungsgeschäft, strenge Kostenkontrolle sowie die Abwicklung der SRU - soll die Rendite (on tangible equity) auf Gruppenebene 2019 "10 bis 11%" und 2020 "11 bis 12%" erreichen. Dieses Ziel ist neu und impliziert für 2019 einen Gewinn von 4,2 Mrd bis 4,6 Mrd CHF bzw. für 2020 von 5,0 Mrd bis 5,5 Mrd 2020, wie aus einer Folienpräsentation hervorgeht.

In den Jahren 2018 und 2020 will die Credit Suisse ausserdem mit einer harten CET1-Kernkapitalquote (Basel III, look-through) von "über 12,5%" agieren. Kumulativ will die Bank 2019 und 2020 20% des Kapitals in die Vermögensverwaltung stecken. 30% des generierten Kapitals sollen für den Anstieg der risikogewichteten Aktiven (RWA) infolge von Basel-III-Reformen genutzt werden. Ziel sei es, ab 2019 die Ausschüttung an die Aktionäre zu erhöhen. 50% des Reingewinns soll hauptsächlich in Form von Aktienrückkäufen und Sonderdividenden rückgeführt werden.

Für das Gesamtjahr 2017 bestätigte der Konzernchef zudem die Anfang November anlässlich der Zahlen zum dritten Quartal gemachten Aussagen. Das stabile und besser vorhersagbare Wealth Management präsentiere sich weiterhin widerstandsfähig, während die mehr marktabhängigen Geschäfte anhaltend von historisch tiefer Volatilität geprägt seien.

ys/uh

(AWP)