Grossbanken-Aktien unter Druck nach Underperfom-Rating - UBS in 1MDB verwickelt?

Zürich (awp) - Die Aktien der Grossbanken stehen am Dienstagmorgen stärker als der Durchschnitt unter Druck. Bernstein hat die Abdeckung der Titel von UBS und Credit Suisse jeweils mit dem Anlagerating "Underperform" und einstelligen Kurszielen aufgenommen. Bei UBS kommen zusätzlich belastend Medienberichte über eine Verwicklung im 1MDB-Skandal hinzu.
12.07.2016 10:19

Die Grossbankenwerte führen am Morgen die Verlierer unter den SMI/SLI-Werten an: Gegen 9.50 verlieren UBS 0,8% auf 12,25 CHF, CS 0,8% auf 10,43 CHF. Beide sind auch die grössten Verlierer im bisherigen Jahresverlauf (UBS: -38%; CS -50%). Erst in der vergangenen Woche waren Credit Suisse auf ein neues Jahrestief klar unterhalb von 10 CHF gefallen.

Bernstein sieht noch weiteres Abwärtspotential und setzt die Kursziele für UBS und Credit Suisse auf 8 CHF bzw. 6 CHF. Die "bearishe These" basiere auf drei wesentlichen Sorgen, schreiben die zuständigen Analysten in einem Kommentar. Zurückhaltung der Kunden im Private Banking mit tieferen Margen in einem Geschäft mit hohen Fixkosten, rückläufige Erträge im Investment Banking sowie eine ungenügende Kapitalisierung lauten diese.

Letzterer Punkt treffe besonders die Credit Suisse schmerzlich, die ohnehin im europäischen Vergleich mit Gleichgesinnten eine der am schwächsten kapitalisiertesten Grossbanken sei. Für eine Verbesserung sei sie stark abhängig vom geplanten Teil-IPO der Swiss Universalbank, vom Schuldenabbau sowie von Erträgen. Aber alle drei Faktoren sind laut Bernstein signifikant risikobehaftet.

UBS geraten indes laut "NZZ" nun auch in den Strudel des Korruptionsfalls um den malaysischen Staatsfonds 1MDB. Dokumente sollen belegen, dass die Grossbank eine fragwürdige Rolle gespielt hat: Gelder des Staatsfonds in Milliardenhöhe sollen über Konten der UBS geflossen sei. Der 1MDB-Skandal hatte in der Schweiz im Mai zu harschen Sanktionen gegen die Tessiner Bank BSI geführt. Diese durfte nur noch weiter bestehen bleiben, weil sie ohnehin von EFG International übernommen wird. Die damaligen Strukturen der BSI müssen vollständig aufgelöst werden.

Bei der grössten Schweizer Grossbank ist es in der Vermögensverwaltung laut einem Medienbericht zudem zu einem Einstellungsstopp von unterstützenden Funktionen (support functions) gekommen. Kundenberater seien nicht betroffen, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen. Die Bank wollte den Bericht nicht kommentieren. Auf Gruppenebene plant die Bank derzeit, die Kostenbasis bis Ende 2017 um 2,1 Mrd CHF zu reduzieren im Vergleich zu 2013.

Das Investment Banking hat laut Divisionschef Andrea Orcel genau die richtige Grösse - nach Jahren des Abbaus von Tausenden Stellen. "Wir sind genau dort, wo wir sein sollten, um dem jetzigen Umfeld und der Regulierung zu begegnen", sagte er in einem Interview mit Bloomberg TV auch mit Blick auf das Brexit-Votum. Allerdings: Eine weitere Verschärfung der Regulierung, Verschlechterung der Marktbedingungen und härterer Wettbewerb könnten die Bank zu weiteren Kürzungen zwingen.

ys/cf

(AWP)