Gurit bleibt mit dem Gewinn 2017 unter den Erwartungen

(Ausführliche Fassung) - Der Spezialkunststoffhersteller Gurit hat im Geschäftsjahr 2017 bei einem etwas höheren Umsatz einen Rückschlag bei der Profitabilität erlitten. Gelitten haben die Ostschweizer vor allem unter einem erneut schwachen Windenergiemarkt. An der Börse werden die schwachen Zahlen und ein zaghafter Ausblick mit Verkäufen quittiert.
13.03.2018 12:20

Gurit hat sich nach Einschätzung seines CEO Rudolf Hadorn gut behauptet, wie er am Dienstag vor Medien und Analysten erklärte. "Angesichts des Gegenwindes war dies ein vernünftiges Ergebnis", sagte er. Und mit Gegenwind meinte er einen Nachfragestillstand in der indischen Windenergieindustrie, der bereits im Frühjahr eingesetzt habe.

Aber auch im chinesischen Windenergiemarkt litt Gurit unter einem Nachfragerückgang - bereits das zweite Jahr in Folge nach dem Rekord in 2015. Und trotz aller Bemühungen, das Geschäft zu diversifizieren und die Abhängigkeit vom stark volatilen Bereich Windenergie zu senken, bleiben die Vestas, Nordex und Co die grössten Abnehmen von Gurit.

DOMINANTE WINDINDUSTRIE

Die Industrie bestritt zuletzt rund 36% der Verkäufe von Gurit, wenn alleine die Materialien betrachtet werden. Rund 60% sind es inklusive anderer Dienstleistungen, liefert Gurit doch auch die Bauformen für die Rotorblätter der Anlagen. Und von diesen hat Gurit etwas mehr verkauft.

Vor allem die Nachfrage nach Formen für längere Windrotorblätter zum guten Abschneiden der Sparte Tooling bei. Mit diesen längeren Windrotorblättern können Windkraftanlagen ihre Effizienz steigern. Die Sparte habe ein "absolutes Rekordjahr" erreicht, erklärte Hadorn. "Das hat uns überrascht", räumte er ein.

Etwas besser als im Vorjahr liefen auch die Geschäfte mit Auto-Teilen, Buskomponenten und anderen Formteilen, also im kleinsten Geschäftsbereich Composite Components.

MITTELFRISTZIEL VERSCHOBEN

In der Summe reichte es Gurit zu einem kleinen Umsatzplus von 2,4% auf 360,5 Mio CHF. Damit lagen die Verläufe in 2017 wieder ungefähr auf dem Niveau von 2015. Das ist zu wenig, um das ambitionierte Wachstumsziel von 500 Mio CHF im Jahr 2020 zu erreichen. Neu peilt das Unternehmen die Marke für 2021 an, dabei sollen Zukäufe 50 Mio CHF zum Gesamtbetrag beisteuern.

Die Gewinnzahlen waren 2017 sogar rückläufig. Denn ein starker Preisdruck im Materialgeschäft konnte nicht voll vom margenstarken Tooling aufgefangen werden, dazu kamen noch Restrukturierungskosten. Daher schrumpfte der Betriebsgewinn (EBIT) um 2,4% auf 35,9 Mio und der Reingewinn um 4,2% auf 24,9 Mio CHF.

Den Aktionären stellt das Unternehmen dennoch eine stabile Dividende von 20 CHF in Aussicht. Trotzdem geht es abwärts mit den Gurit-Aktien, die bis zum Mittag 1,7% einbüssen.

Anlass zur Kritik von Analysten gibt vor allem der Ausblick auf das laufende Jahr. Für 2018 erwartet Gurit ein eher mageres Umsatzanstieg im tieferen einstelligen Bereich eine operative Gewinnmarge am oberen Ende des Zielkorridors von 8 bis 10%. Die Experten hatten deutlich mehr erwartet.

Die Wachstumserwartung ist zu tief, um die mittelfristigen Vorgaben zu erreichen, räumte denn auch CEO Hadorn ein. "Das Wachstum muss noch stärker werden", weiss auch der Gurit-Chef.

ra/hr

(AWP)