Gute Unternehmenszahlen geben Schweizer Börse Halt

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag fester tendiert. Gute Unternehmensergebnisse aus dem In- und Ausland stützten laut Händlern den Markt
20.04.2017 17:40

Vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen am Wochenende in Frankreich wollten sich die Anleger aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. "Die Anleger sind zurückhaltend. Der Wahlausgang in Frankreich ist offen", sagt ein Börsianer. "Die Wahlen in Frankreich überschatten alles", sagt ein Händler. Auf die Stimmung drückten ausserdem auch die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea.

Der SMI steigt um 0,3 Prozent auf 8558 Punkte. Am Mittwoch hatte der Leitindex praktisch unverändert geschlossen. Die Umsätze konzentrierten sich auf Aktien von Firmen, die ihre Zahlen veröffentlicht hätten und auf einzelne Nebenwerte, sagen Börsianer.

Im Zentrum des Interesses stehen die Quartalszahlen von ABB und Nestlé. Der Nahrungsmittelkonzern ist zwar langsamer in das Jahr gestartet. Er sieht sich aber trotzdem auf Kurs. Im ersten Quartal lag das organische Wachstum bei 2,3 Prozent nach 3,9 Prozent im Vorjahreszeitraum. Damit schnitt der Konzern besser ab, als von vielen gedacht. Für das Gesamtjahr rechnet Nestlé weiterhin mit einem organischen Wachstum von 2 und 4 Prozent. Die Analysten von Kepler Cheuvreux sprechen von einem besser als erwarteten organischen Umsatzwachstum. Auch bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) heisst es, Nestlé sei ein besser als erwarteter Jahresauftakt geglückt. Die Nestlé-Aktie gewinnt 0,5 Prozent.

Auch Novartis mit positiven Nachrichten

Die Anteile des Pharmariesen Novartis gewinnen 0,2 Prozent. Das Medikament Eltrombopag hat sich einer Studie zufolge in Kombination mit einer Standardtherapie bei der Behandlung einer seltenen Blutkrankheit als wirksam erwiesen. "Es war an der Zeit, dass die Aktie auch einmal positiv auf eine gute Apothekermeldung reagiert", sagt ein Händler. Der Anteil von Rivalin Roche sinkt dagegen um 0,6 Prozent.

Gefragt waren die Aktien von ABB, die 2 Prozent anziehen. Der Elektrotechnikkonzern hat im ersten Quartal dank des Verkaufs eines Teilbereichs überraschend viel verdient. Der Gewinn kletterte um 45 Prozent auf 724 Millionen Dollar. Analysten hatten einen Überschuss von 489 Millionen Dollar erwartet. Der Konzern äusserte sich zuversichtlich über die weitere Entwicklung. "Wir sehen erste Anzeichen einer Marktstabilisierung in Teilen der Prozessindustrie und auch einige Wachstumssignale in frühzyklischen Geschäften", sagte Konzernchef Ulrich Spiesshofer.

Auch die meisten anderen Standardwerte verbuchen höhere Kurse. Der Vermögensverwalter Julius Bär gewinnt 1,9 Prozent und der Personalvermittler Adecco wurde um 1 Prozent höher gehandelt.

Die Aktien der Grossbanken drehten im Verlauf klar nach oben. UBS ziehen um 0,5 Prozent an und Credit Suisse legen 1 Prozent zu. Die Aktien der Versicherer tendieren mehrheitlich ebenfalls fester. Swiss Life rücken um 1,3 Prozent vor.

Ein Zykliker führt die Gewinnerliste an

Mit den Aktien des Zementkonzerns Lafarge-Holcim, die um 2,3 Prozent steigen, führt ein Zykliker die Gewinner an. Auch Swatch legen zu, Richemont sind kaum verändert. Neben den Titeln von Roche liegen einzig die beiden Übernahmekandidaten Actelion und Syngenta im Minus. Die beiden Aktien werden als Folge ihrer Übernahme aus dem SMI-Index fallen.

Am breiten Markt stehen die Aktien von Kühne+Nagel nach einem Auf und Ab zum Handelsschluss 0,2 Prozent höher. Der Logistikkonzern hat im ersten Quartal 2017 einen Gewinnrückgang verbucht und am unteren Ende der Analystenerwartungen abgeschlossen.

Die Aktien von Georg Fischer sind 0,6 Prozent tiefer. Die Aktionäre des Anlagenbauers sind den Empfehlungen von zwei angelsächsischen Stimmrechtsberatern gefolgt und haben den Vergütungsbericht 2016 in einer konsultativen Abstimmung abgelehnt. Dabei ging es nicht um die Höhe der Bezüge, sagte Verwaltungsratschef Andreas Koopmann in einem Interview mit den "Schaffhauser Nachrichten". "Wir konnten die Berater aus dem angelsächsischen Raum nicht ganz von unserem Modell überzeugen." Der Industriekonzern werde das Gespräch mit grösseren Aktionären und den Stimmrechtsberatern aufnehmen.

(Reuters)