GV-Saison 2017 geprägt von steigender Unzufriedenheit bei Vergütungsthemen

(Meldung um weitere Details nach Medienkonferenz ergänzt) - Schweizer Aktionäre sind offenbar deutlich kritischer als bisher. Wie eine Auswertung der bisher abgehaltenen Generalversammlungen (GVs) von Schweizer Unternehmen in diesem Jahr zeigt, waren diese von einer steigenden Unzufriedenheit bei Vergütungsthemen geprägt. Wie die Schweizer Stimmrechtsberaterorganisation Swipra in einer Mitteilung vom Freitag berichtet, dürfte dies unter anderem auf eine aus Investorensicht qualitativ ungenügende Offenlegung der Unternehmen zurückzuführen sein.
16.06.2017 12:16

Wie Barbara Heller, Geschäftsführerin von Swipra, am Freitag vor Journalisten erklärt, habe sich diese Entwicklung bereits in den Umfragen 2015 und 2016 abgezeichnet.

AKTIONÄRE KLEINER UNTERNEHMEN BESONDERS KRITISCH

"Vor allem bei den nicht-SMI-Unternehmen haben die kritischen Aktionärsstimmen in der aktuellen Umfrage deutlich zugenommen", ergänzt Heller. Sie erklärt dieses Phänomen mit den Unterschieden in der Unternehmenskommunikation. So sei die Kommunikation zur Corporate Governance bei den nicht SMI-Unternehmen deutlich weniger etabliert als bei den grossen Konzernen. Zudem sei die Offenlegung bei den kleineren Unternehmen mitunter weniger leicht nachvollziehbar.

Die sehr kritische Haltung der Vergütung gegenüber sieht Heller aber auch als ein teilweise Schweizerisches Phänomen. Vergütungsberichte in der Schweiz würden deutlich kritischer beurteilt als im vergleichbaren Ausland. Das liege vor allem auch an einer stark verbreiteten, standardisierten Sichtweise zur Corporate Governance. Hiervon seien eben vor allem jene kleineren Unternehmen betroffen, die nicht unbedingt bestimmten Standards folgten.

VERGÜTUNG SORGT FÜR KRITIK

Eine Auswertung zu den bislang abgehaltenen Generalversammlungen 2017 der 100 grössten Unternehmen des SPI zeigt, dass die Aktionäre bei allen vergütungsbezogenen GV-Traktanden kritischer abgestimmt haben als im Vorjahr. So hätten im Schnitt 14,6% der Aktionäre gegen den Vergütungsbericht gestimmt. Im Vorjahr lag die Quote bei 12,3%.

Wie viel kritischer die Aktionäre hierzulande mit Blick auf die Vergütungsberichte sind, zeige auch ein Blick ins Ausland. In den USA oder Grossbritannien stimmten 2017 laut Swipra lediglich 4,7% respektive 3,2% der Aktionäre gegen den Bericht.

Die Auswertung zeige zudem, dass viele Stimmrechtsberater und die Öffentlichkeit mitunter viel kritischer gewesen seien als die Aktionäre an den Generalversammlungen. Einige Stimmrechtsberater hätten mehr als 20% aller Traktanden abgelehnt. Die effektive Ablehnungsrate habe aber lediglich knapp über 1% betragen.

HOHE ABLEHNUNGSRATE WIRFT AUCH FRAGEN AUF

Für die Swipra-Geschäftsführerin scheint der "allgemeine Anstieg an Negativ-Empfehlungen und -Stimmen von der öffentlichen Meinung und gewissen Regulierungstendenzen getrieben" worden zu sein. Aber auch fundamental unterschiedliche Auffassungen zu gewissen Themen der Corporate Governance dürften diesen Anstieg mit getragen haben. Für sie werfen "die mehrheitlich gestiegenen Ablehnungsraten der Stimmrechtsberater zum Teil auch Fragen zur verantwortungsvollen Erstellung von Abstimmungsempfehlungen sowie zum Bewusstsein möglicher realer Konsequenzen bei tatsächlichen Ablehnungen auf".

Als weiteren Punkt hebt Swipra hervor, dass der Frauenanteil in den Verwaltungsräten von Schweizer Unternehmen stetig steigt. Durchschnittlich 30% der neu gewählten Verwaltungsräte der vergangenen beiden Jahre waren Frauen. Wie die Umfrage in diesem Hinblick auch gezeigt habe, scheinen einige Stimmrechtsberater in ihren Empfehlungen männlichen Kandidaten gegenüber deutlich kritischer eingestellt zu sein als Frauen. "Offenbar findet eine gewisse Selbstregulierung beim Frauenanteil statt, was eine sehr erfreuliche Entwicklung ist", ergänzt sie.

Die Auswertungen der GV wurde durch das Institut für Banking und Finance der Universität Zürich durchgeführt.

hr/ra

(AWP)