Halbleiterkonzern STMicro strotzt vor Optimismus - Chip-Aktien-Rally

(Ausführliche Fassung) - Immer mehr Elektronik in Autos und die stetig zunehmende Digitalisierung in Industrie und Alltag lassen Chipkonzerne jubeln. Am Donnerstag legten die Infineon-Konkurrenten STMicroelectronics und Hynix überzeugende Zahlen vor. STMicro-Chef Carlo Bozotti blickte zudem optimistisch auf das laufende Jahr.
26.01.2017 11:45

Gestützt auf aktuelle Marktprognosen, die gute Auftragslage und eine hohe Nachfrage im Grosshandel sollte sich die gute Entwicklung des zweiten Halbjahres fortsetzen, sagte er am Donnerstag in Genf. Die Zahlen und Aussagen Bozottis sorgten an den Märkten für gute Laune.

So zog das STMicro-Papier in der Spitze um bis zu 9 Prozent an. Zuletzt verzeichnete die Aktie ein Plus von 6 Prozent auf 11,92 Euro - und damit auf das höchste Niveau seit 2007. In den vergangenen Monaten stieg der Börsenwert des Unternehmens um rund 140 Prozent auf knapp elf Milliarden Euro.

Nicht ganz so rasant nach oben ging es für Infineon. Der Kurs des im Dax notierten Unternehmens stieg am Donnerstag bis auf 17,245 Euro und damit den höchsten Stand seit knapp 15 Jahren. Infineon gehört mit einem Anstieg von 40 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten zu den stärksten deutschen Standardwerten und kommt zurzeit auf einen Börsenwert von etwas mehr als 19 Milliarden Euro.

Bozotti geht davon aus, dass der Erlös im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahresabschnitt um rund 12,5 Prozent steigen wird. Die Bruttomarge solle dabei zirka 37,0 Prozent betragen. Der Ausblick für das erste Jahresviertel sei besser als üblich und liege beim Umsatz sowie der Marge über den Marktschätzungen, schrieb Baader-Bank-Analyst Günther Hollfelder in einer Studie.

Im vergangenen Jahr legte der STMicro-Umsatz dank eines starken zweiten Halbjahres um ein Prozent auf sieben Milliarden US-Dollar zu. Besonders gut liefen Chips für die Autohersteller sowie Produkte für die zunehmende Digitalisierung von industriellen Prozessen oder dem Alltag der Menschen. Die Marge zog dabei auf 35,2 (2015: 33,8) Prozent an.

Unter dem Strich verdiente der Konzern mit 165 Millionen Dollar rund 59 Prozent mehr als vor einem Jahr. Umsatz und Ergebnis fielen etwas besser als erwartet aus. Bozotti will die gute Finanzlage nutzen, um die Investitionen im laufenden Jahr auf 1 bis 1,1 Milliarden Dollar hochzufahren.

Nichts Neues gab es am Donnerstag in puncto Nachfolge-Suche für Bozotti. Dieser geht im Mai nach rund 12 Jahren an der Spitze des Unternehmens. Bisher haben Frankreich und Italien noch keinen Nachfolger auserkoren. Die beiden Staaten sind zusammen noch mit rund 27,5 Prozent an dem Konzern beteiligt, der aus einer Fusion eines französischen und italienischen Unternehmens hervorgegangenen ist.

Zudem gab es keine Aussagen, ob oder gegebenenfalls wie sich STMicro an der aktuellen Konsolidierungswelle in der Branche beteiligen will. Bozotti hatte im vergangenen Herbst gesagt, dass er bei der Entwicklung von neuen Produkten eher auf interne Ressourcen setzt. In den vergangenen Monaten gab es allerdings zahlreiche Fusionsankündigungen, die die Fantasie vieler Marktteilnehmer anregt.

So will zum Beispiel der US-Konzern Qualcomm den niederländischen Rivalen NXP für rund 47 Milliarden Dollar kaufen. NXP hatte erst kurz davor die Übernahme von Freescale abgeschlossen. Ausserdem gingen noch einige andere grosse Konzerne wie ARM oder Broadcom über den Tresen./zb/men/stb

(AWP)