Hannover Rück erwartet 2017 trotz Preiskampf mehr Gewinn

(Ausführliche Fassung) - Beim weltweit drittgrössten Rückversicherer Hannover Rück beflügeln neue Vertragsabschlüsse die Gewinnhoffnungen für 2017. Im laufenden Jahr dürfte der Nettogewinn dadurch mehr als eine Milliarde Euro erreichen, kündigte Vorstandschef Ulrich Wallin am Donnerstag in Hannover an. Bisher hatte er lediglich mindestens 950 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Damit könnte die Hannover Rück ihren dritten Milliardengewinn in Folge erreichen. Der seit Jahren grassierende Preiskampf im Schaden- und Unfallgeschäft ist indes noch nicht zu Ende.
02.02.2017 09:36

Am Finanzmarkt kamen die Neuigkeiten gut an. Kurz nach Handelsstart gewann die Aktie des Rückversicherers knapp 1,8 Prozent an Wert und war damit zweitbester Wert im MDax . Allerdings dürfte der angekündigte Überschuss im laufenden Jahr für Analysten keine Überraschung sein. Nach dem ersten Milliardengewinn des Unternehmens im Jahr 2015 rechnen die Experten für 2016 und 2017 mit gut einer Milliarde Euro. Der Hannover-Rück-Vorstand gibt sich gewöhnlich bei seinen Zielen eher vorsichtig. Das Zahlenwerk für 2016 wird am 9. März vorgelegt.

Dass das Management für 2017 mutiger wurde, begründete Wallin neben der Vertragserneuerung im Schaden- und Unfallgeschäft zum Jahreswechsel mit neuen Verträgen in der Personen-Rückversicherung. Dort hat die Hannover Rück mit Kunden Finanzierungslösungen vereinbart, bei denen sie von Erstversicherern nicht nur Vertragsrisiken übernimmt, sondern etwa deren künftig erwartete Gewinne vorfinanziert. Erstversicherer können sich auf diese Weise Kapital beschaffen, etwa um neue Geschäftsbereiche aufzubauen.

Im Schaden- und Unfallgeschäft musste die Hannover Rück nach dem Preisverfall der vergangenen Jahre jedoch einen weiteren Rückgang hinnehmen. Die erwartete Stabilisierung der Raten habe sich noch nicht flächendeckend eingestellt, hiess es. Währungsschwankungen herausgerechnet, ging das erneuerte Vertragsvolumen in der traditionellen Rückversicherung um 1,4 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro zurück.

Dennoch soll das gesamte Prämienvolumen der Hannover Rück in diesem Jahr jetzt währungsbereinigt um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz zulegen. Bisher hatte der Vorstand eher mit einem leichten Rückgang gerechnet.

Eine genauere Aussage zur Preisentwicklung machte die Hannover Rück wie gewöhnlich nur für das sogenannte nicht-proportionale Geschäft, bei dem sie erst für Schäden ab einer bestimmten Höhe einspringt. Dort sanken die Preise zum Jahreswechsel im Schnitt um 1,6 Prozent. Ein Jahr zuvor war der Rückgang mit 4,8 Prozent allerdings dreimal so hoch ausgefallen.

Die Vertragserneuerung zum Jahreswechsel ist für die Hannover Rück wie für Weltmarktführer Munich Re und den weltweit Branchenzweiten Swiss Re die wichtigste im Jahr. Bei den Hannoveranern standen knapp zwei Drittel der Verträge ihres Schaden- und Unfallgeschäfts zur Neuverhandlung an. Während der Rückversicherer in den USA durchweg ein Ende des Preisverfalls registrierte, konnte er nach den verheerenden Waldbränden in Kanada deutlich an der Preisschraube drehen.

In Deutschland schlugen sich Preiserhöhungen der hiesigen Kfz-Versicherer auch bei der Hannover Rück in höheren Prämieneinnahmen nieder. Schlecht sah es hingegen in der Transport- und Luftfahrt-Versicherung aus. Wegen eines weiteren Preisrückgangs gab die Hannover Rück in beiden Bereichen Verträge auf. Auch im Katastrophengeschäft verzeichnete das Unternehmen weitere Preisrückgänge. Die Schäden durch Hurrikan "Matthew" in den USA hätten die Preise für Rückversicherungsschutz nur in der Region nach oben getrieben.

Die Preise im Rückversicherungsgeschäft sind wegen vergleichsweise niedriger Katastrophenschäden und einer Kapitalschwemme in der Branche seit Jahren im Sinkflug. Die geringen Schadensummen liefern Rückversicherern in den Verhandlungen mit Erstversicherern wie Allianz und Axa wenig Argumente für Preiserhöhungen. Viele Versicherer nehmen schlicht mehr Risiken auf die eigene Kappe - und verringern so die Nachfrage nach Rückversicherungsschutz.

Zugleich versuchen Rückversicherer ihre immer dickeren Kapitalpolster in Geschäft umzumünzen und weiten so das Angebot aus. Höhere Preise können sie daher schon länger nur in Teilbereichen durchsetzen. Weltmarktführer Munich Re will von ihrer Vertragserneuerung am 7. Februar berichten. Dann legt der Dax -Konzern wie gewohnt auch seine Eckdaten für das Jahr 2016 vor./stw/stk

(AWP)