Hannover Rück erwartet trotz 'Debbie' weiterhin Milliarden-Gewinn

(Ausführliche Fassung) - Trotz Zyklon "Debbie" in Australien und anderen Katastrophen hat die Hannover Rück zum Jahresstart Kurs gehalten. Unter dem Strich stand nach dem ersten Quartal ein Gewinn von rund 265 Millionen Euro und damit etwa zwei Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie der weltweit drittgrösste Rückversicherer am Mittwoch in Hannover mitteilte. Den für 2017 geplanten dritten Milliardengewinn des Konzerns sieht Finanzchef Roland Vogel trotz einer für die Versicherer teuren Neuregelung für Unfallopfer in Grossbritannien nicht in Gefahr.
10.05.2017 10:01

Am Finanzmarkt lösten die Nachrichten keine grösseren Kursschwankungen aus. Kurz nach Handelsbeginn in Frankfurt gewann die Hannover-Rück-Aktie 0,09 Prozent an Wert, gehörte damit zu den eher stärkeren Werten im leicht schwächelnden MDax .

Im ersten Quartal musste die Hannover Rück deutlich mehr Katastrophenschäden begleichen als Anfang 2016. Die Grossschäden summierten sich auf fast 134 Millionen Euro, fast zweieinhalb Mal so viel wie ein Jahr zuvor. Am teuersten kamen den Konzern mit 50 Millionen Euro die Folgen des Tropensturms "Debbie" zu stehen, der Ende März in Australien gewütet hatte. Hinzu kamen im Januar und Februar die Waldbrände in Chile und Stürme in den USA mit zusammen 32 Millionen Euro. Dennoch habe der Konzern sein veranschlagtes Schadenbudget nicht ausgereizt, liess Vogel wissen.

Auch für die Senkung der sogenannten Odgen-Rate für Unfallopfer in Grossbritannien hat die Hannover Rück vorgesorgt. Infolge der von der Regierung verfügten Neuregelung haben Verletzte gegenüber den Haftpflichtversicherungen ihrer Unfallgegner deutlich höhere Schadenersatz-Ansprüche als bisher. Der Schritt hatte die Branche im Frühjahr in Aufruhr versetzt, zumal die Neuregelung auch für noch nicht abgewickelte Altfälle gilt.

Die Hannover Rück legte für die erwarteten Mehrbelastungen im ersten Quartal 126 Millionen Euro zur Seite, und auch für den Rest des Jahres erwartet der Vorstand weitere Nachreservierungen in diesem Bereich. Allerdings widmet der Konzern dazu einen Teil seiner bereits bestehenden Spätschadenreserven um. Den Quartalsgewinn zog die Neuregelung daher nicht in Mitleidenschaft. Dies soll laut Vogel auch für das Gesamtjahr gelten.

Im ersten Quartal steigerte der Konzern seine Prämieneinnahmen überraschend um knapp sieben Prozent auf gut 4,5 Milliarden Euro. Im Schaden- und Unfallgeschäft blieb nach Abzug der Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb aber weniger übrig. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich von 94,7 auf 95,6 Prozent.

Für das laufende Jahr rechnet das Management um Vorstandschef Ulrich Wallin weiterhin einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro. "Mit unserem erfreulichen Quartalsergebnis haben wir eine gute Voraussetzung geschaffen, unsere gesteckten Ziele zu erreichen." Seine Prognose hatte der Konzern erst im Februar angehoben.

Beim seit Jahren anhaltenden Preisverfall im Schaden- und Unfallgeschäft glaubt der Vorstand allmählich die Talsohle erreicht zu haben. Bei der Vertragserneuerung im April habe die Hannover Rück ihre Preise im Schnitt stabil halten können. Weil der Konzern auf unrentables Geschäft verzichtete, ging das erneuerte Prämienvolumen jedoch um knapp fünf Prozent zurück./stw/tav/das

(AWP)