Hannover Rück peilt nach Schaden-Flaute wieder Sonderdividende an

(Ausführliche Fassung) - Das Ausbleiben schwerer Katastrophen hat dem Rückversicherer Hannover Rück im zweiten Quartal einen Gewinnsprung beschert. Wenn es weiterhin gut läuft, können die Aktionäre für 2017 mit einer erneuten Sonderdividende rechnen, wie Finanzvorstand Roland Vogel bei der Vorlage der Zwischenbilanz am Donnerstag in Hannover ankündigte. Es wäre die Dritte in Folge. Für 2016 hatte der Konzern je Aktie insgesamt 5 Euro ausgeschüttet, davon 1,50 Euro als Sonderdividende. Der Grossteil der Gesamtausschüttung geht an den Versicherungskonzern Talanx (HDI, Neue Leben), dem gut 50 Prozent der Hannover-Rück-Aktien gehören.
10.08.2017 10:42

Beim Gewinn will das Management weiterhin die Marke von einer Milliarde Euro knacken - zum dritten Mal in Folge. Doch der Preiskampf in der Branche macht dem Konzern zu schaffen. Die Trendwende blieb auch zum Sommerbeginn aus. Am Finanzmarkt ging es für die Hannover-Rück-Aktie am Morgen deutlich abwärts. Mit einem Kursabschlag von 2,01 Prozent gehörte sie zu den Schlusslichtern im schwächelnden MDax. Seit Jahresbeginn liegt ihr Kurs mit rund vier Prozent im Plus. Nach Ansicht von Analyst Daniel Bischof von der Baader Bank ist die Aktie im Vergleich zur Konkurrenz immer noch zu hoch bewertet. Er rät Anlegern daher weiterhin zum Verkauf der Papiere.

Unter dem Strich verdiente der Rivale des Weltmarktführers Munich Re im zweiten Quartal 270 Millionen Euro - ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor und mehr als von Experten erwartet. Nachdem die Grossschäden schon im ersten Quartal geringer ausgefallen waren als erwartet, blieb die Hannover Rück von solch teuren Einschlägen in den Monaten April bis Juni komplett verschont.

Im gesamten ersten Halbjahr richteten von der Natur und von Menschen verursachte Katastrophen bei der Hannover Rück Grossschäden von 123 Millionen Euro an - fast zwei Drittel weniger als ein Jahr zuvor. Die Hannover Rück verbuchte ihre unverbrauchten Schadenreserven allerdings noch nicht als Gewinn - sondern verschob sie als Puffer in die zweite Jahreshälfte. Dann steht unter anderem die Hurrikan-Saison über dem Atlantik bevor.

Zugute kamen der Hannover Rück neben den geringen Grossschäden auch leicht gestiegene Gewinne aus Kapitalanlagen. Dort machen der gesamten Versicherungsbranche die anhaltenden Niedrigzinsen zu schaffen. Allerdings hat die Hannover Rück anders als Erstversicherer keine Lebensversicherungskunden, für die sie über Jahrzehnte hinweg hohe Garantiezinsen erwirtschaften müsste. In der Personen-Rückversicherung musste der Konzern aber Federn lassen, weil Altkunden von Versicherern aus den USA im Schnitt früher sterben als erwartet - und dadurch früher hohe Versicherungssummen fällig werden.

Im Schaden- und Unfallgeschäft geht die Preisschlacht zwischen Erst- und Rückversicherern weiter. Dies bekam bei der Vertragserneuerung zum Juni und Juli auch die Hannover Rück zu spüren. Da die Versicherungsschäden in den vergangenen Jahren vergleichsweise gering ausfielen, sind Rückversicherer in einer schlechten Verhandlungsposition. "Heute sind wir noch damit konfrontiert, dass unsere Kunden uns sagen, schaut mal wie viel Gewinn Ihr da letztes Jahr gemacht habt", sagte Vogel.

Allerdings konnte die Hannover Rück dort höhere Prämien durchsetzen, wo Zyklon "Debbie" in Australien und das Erdbeben in Neuseeland zuletzt hohe Schäden angerichtet hatten. In anderen Bereichen sei das Prämienniveau aber selbst in diesen Ländern gesunken, hiesse es. Vogel sieht bei den Verhandlungen einen Lichtblick. Die Hannover Rück und ihre Wettbewerber seien inzwischen soweit, dass sie viele von ihren Kunden geforderte Dinge nicht mehr akzeptierten.

Trotz der schwierigen Geschäftsaussichten erwartet die Hannover Rück für 2017 jetzt einen währungsbereinigten Anstieg der Bruttoprämien um mehr als 5 Prozent. Bisher sollten sie nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich zulegen. /stw/fbr

(AWP)