Hannover Rück will bei Preiswende stärker als die Branche wachsen

Die Hannover Rück sieht sich trotz der Zinsflaute und des Drucks auf die Rückversicherungspreise auf Kurs zu den Jahreszielen. Mittelfristig rechnet der im MDax gelistete Munich-Re-Konkurrent auch wieder mit steigenden Preise in der Branche und will das für ein über dem Branchenschnitt liegendes Wachstum nutzen. "In den Märkten steckt noch viel Potential: Wir hatten jetzt fünf Jahre mit wenig Grossschäden. Zusätzlich ist durch die niedrigen Zinsen Geld von neuen Wettbewerbern in die Rückversicherung geflossen. Damit ist die Konkurrenz hoch und die Preise stehen unter Druck", sagte Finanzvorstand Roland Vogel dem Anlegermagazin "Euro am Sonntag".
25.06.2017 15:08

"Wenn aber die Zinsen auch in Europa steigen, wird dieses Kapital wieder in andere Märkte abfliessen. Wenn dann noch die Grossschäden zunehmen, werden die Preise wieder nach oben gehen. Dann wollen wir überproportional wachsen." In der jüngsten Vertragserneuerungsrunde im April hatte die Hannover Rück die Preise bereits stabil halten können. Der Vorstand zeigte sich im Mai deshalb zuversichtlich, dass bei dem seit Jahren anhaltenden Preisverfall im Geschäft mit Schaden- und Unfallrückversicherungen allmählich die Talsohle erreicht wurde.

Vogel ist mit der ersten Hälfte des Geschätsjahres "sehr zufrieden." Er bekräftigt die Prognose. "Wir sind auf gutem Weg, unser Ziel, einen Gewinn von einer Milliarde Euro, zu erreichen." Die Kosten für Naturkatastrophen seien im ersten Halbjahr höher als im Vorjahreszeitraum gewesen, sagte er. Sie seien aber unter dem Budget geblieben. Im zweiten Quartal habe es bislang keine herausragenden Grossschäden gegeben. Nach derzeitigem Stand rechne das Unternehmen auch mit keiner grösseren Belastung durch die Brandkatastrophe des Grenfell Tower in London.

Das Geschäft in Grossbritannien will die Hannover Rück trotz des anstehenden Brexit behalten. "Der Brexit wird unser Geschäft wohl nicht nachhaltig beeinflussen", sagte Vogel. Die Niedersachsen erwirtschaften rund Zehntel der Prämien in Grossbritannien. Trotz des Drucks auf die Rendite bei den Kapitalanlagen will sich die Hannover Rück bei Investitionen in Aktien weiter zurückhalten und die derzeit niedrige Aktienquote von rund zwei Prozent nur vorsichtig hochfahren. "Unser Ziel ist eine Quote von vier bis sechs Prozent. Wir würden aber erst dann investieren, wenn sich echte Einstiegsgelegenheiten bieten."/zb/she

(AWP)