HeidelbergCement erwartet moderate Zuwächse - höhere Synergien

(Ausführliche Fassung) - Der Baustoffkonzern HeidelbergCement blickt nach einem Umsatzzuwachs 2016 verhalten zuversichtlich auf das laufende Jahr. Für 2017 peile HeidelbergCement einen moderaten Anstieg bei Umsatz und operativem Ergebnis (Ebitda) an, teilte die im Dax notierte Gesellschaft am Donnerstag bei Vorlage der endgültigen Zahlen für das Jahr 2016 mit. Der um Sondereffekte bereinigte Jahresüberschuss soll deutlich zulegen. Dabei rechnet das Unternehmen etwa Wechselkurs- und Konsolidierungseffekte heraus. Um das vergangene mit dem laufenden Jahr vergleichbar zu machen, rechnet das Unternehmen dabei Italcementi komplett in die Bilanz 2016 hinein. HeidelbergCement hatte den italienischen Konkurrenten Italcementi im dritten Quartal übernommen.
16.03.2017 09:18

2016 hatte Heidelberg mit knapp 15,2 Milliarden Euro dank der Übernahme 13 Prozent mehr umgesetzt. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte ebenfalls um 13 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich blieben bei den Aktionären 706 Millionen Euro hängen. Ein Minus von 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hier belasteten vor allem Integrationskosten. Bereinigt um Sondereffekte kletterte der Gewinn um mehr als ein Viertel auf gut eine Milliarde Euro. Die Dividende will das Management um Unternehmenschef Bernd Scheifele deshalb um 23 Prozent auf 1,60 Euro je Aktie erhöhen.

Die Aktie legte kurz nach Handelsstart ein halbes Prozent zu. Der Dax kletterte zeitgleich um gut ein Prozent. Der Ausblick sei besser ausgefallen, als es nach den schwachen Eckdaten des vierten Quartals zu befürchten gewesen war, sagten Börsianer. Er liege aber gleichwohl unter dem ursprünglichen Marktkonsens.

"2016 war für HeidelbergCement ein besonderes Jahr", resümierte Scheifele. Mit der Übernahme von Italcementi habe das Unternehmen sein Wachstum beschleunigt und sei hervorragend aufgestellt. Bei Zuschlagstoffen, Zement und Transportbeton belegten die Heidelberger weltweit die Plätze 1, 2 und 3.

Im laufenden Jahr steht vor allem der Abschluss der Integration von Italcementi im Fokus. Dabei sieht HeidelbergCement beim zugekauften Unternehmen noch mehr Einsparmöglichkeiten. "Die zügigen Fortschritte stimmen uns sehr zuversichtlich, so dass wir das Synergieziel von 400 Millionen Euro auf 470 Millionen Euro erhöhen", sagte Scheifele. Bereits 2016 habe das Unternehmen rund 155 Millionen Euro etwa mit Schliessungen von Hauptverwaltungen und Stellenstreichungen eingespart. Insgesamt sollen bei Italcementi mindestens 2500 Stellen weltweit wegfallen, davon wurde der grösste Teil bereits bis Ende 2016 abgebaut.

Zuversichtlich zeigte sich Scheifele vor allem für das Nordamerika-Geschäft. Der HeidelbergCement-Chef hatte kurz nach der Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump für Schlagzeilen gesorgt. Er hatte eine mögliche Beteiligung seines Unternehmens an Trumps versprochenem Mauerbau an der Grenze zu Mexiko angedeutet. Schon direkt nach der US-Wahl war der Börsenkurs von HeidelbergCement auf den höchsten Stand seit Beginn der Finanzkrise 2008 gestiegen. Auch nach heftiger Kritik an Scheifeles Äusserungen will der Konzern nichts ausschliessen.

Für die Region West- und Südeuropa rechnet das Unternehmen ebenfalls mit einer positiven Entwicklung. Dabei geht HeidelbergCement vor allem von weiterhin guten Geschäften in Grossbritannien und einer robusten Konjunktur in Deutschland aus. Eine steigende Nachfrage nach Baustoffen erwarten die Heidelberger auch in Osteuropa dank der EU-Infrastrukturprogramme. Besser sollte es auch wieder in Indonesien laufen, während die Nachfrage in China weiter zurückgehe. Die Lage in der Ukraine bleibe schwierig. HeidelbergCement beschäftigt rund 60 000 Mitarbeiter./mne/ees/stb

(AWP)