Henkel wächst und wappnet sich für schärfer werdenden Wettbewerb

(Neu: Aussagen aus der Konferenz, Analysten) - Der Persil- und Schwarzkopfhersteller Henkel stellt sich auf einen schärfer werdenden Wettbewerb ein. Preissenkungen und Sonderaktionen hätten im ersten Quartal zugenommen, sagte Vorstandschef Hans Van Bylen am Donnerstag bei der Vorstellung der Quartalsbilanz. "Wir spüren das in allen Regionen und allen Kategorien." Betroffen sei aber nicht nur Henkel, sondern die gesamte Branche. Gegensteuern will der Konzern mit Innovationen, die sich in der Regel teurer verkaufen lassen, dem schnellen Reagieren auf Trends und der Entwicklung neuer Produktkategorien.
11.05.2017 12:31

Unsicheres Gewässer ist Henkel gewohnt. Die Märkte sind seit Jahren volatil. Neben von Schnäppchen verwöhnten Verbrauchern sorgen auch die Konsolidierungswelle im Handel sowie der Boom von Onlineverkäufern für Druck. Im Laufe des Jahres werden zudem die Rohstoffpreise weiter anziehen, schätzt Henkel. "Dennoch wollen wir unsere erfolgreiche Entwicklung fortsetzen", sagte Van Bylen.

Im ersten Quartal bekam der Konzern vor allem von einem florierenden Klebstoffgeschäft den Rücken gestärkt. Auch die zuletzt getätigten Zukäufe wirkten sich aus. So stieg der Umsatz um 13,6 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro. Einen beträchtlichen Anteil daran hatte Henkel-Neuzugang Sun Products, mit dem die Düsseldorfer dem Branchenprimus Procter & Gamble bei Waschmitteln in den USA Paroli bieten wollen. Aus diesem Grund hatte der Konzern vor einiger Zeit auch seine Traditionsmarke Persil auf dem US-Markt eingeführt.

Ohne Zukäufe und ohne Währungseffekte konnten die Düsseldorfer um 4 Prozent zulegen, was mehr war als Analysten erwartet hatten. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) stieg um 13,8 Prozent auf 854 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente Henkel 597 Millionen Euro und damit 13,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Aktie, die am Vortag noch ein Rekordhoch erklommen hatte, verlor am Donnerstagmittag 1,34 Prozent. Analyst Christian Faitz von Kepler Cheuvreux bezeichnete die Ergebnisse in einer ersten Einschätzung als solide. Wirklich überragend abgeschnitten hätten die Düsseldorfer aber nicht.

Gut lief es für Henkel in allen Regionen, am besten jedoch in den Schwellenländern. Die stärksten Zuwächse erzielte der Konzern diesmal mit Klebstoffen. Eine kräftige Nachfrage aus der Industrie sorgte für Schwung. Wachsen konnte Henkel auch mit seinen Wasch- und Reinigungsmitteln (Persil, Pril, Purex) sowie in der Kosmetik (Schwarzkopf, Syoss, Dial). Van Bylen geht aber davon aus, dass sich der Preisdruck im weiteren Jahresverlauf verstärken wird.

Die Prognose für das Gesamtjahr bestätigte der Konzern. Der Umsatz soll aus eigener Kraft um 2 bis 4 Prozent zulegen. Die bereinigte operative Marge, die im ersten Quartal auf 16,9 Prozent stieg, soll im Gesamtjahr auf über 17 Prozent klettern. Beim bereinigten Gewinn je Aktie stellt der Konzern ein Plus von 7 bis 9 Prozent in Aussicht. Im ersten Quartal wuchs Henkel bei dieser Kennziffer um 11 Prozent.

Henkel hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Geschäfte hinzugekauft. Auch im ersten Quartal wurden zwei Übernahmen angekündigt. So will der Konzern für mehr als 1,05 Milliarden US-Dollar inklusive Schulden die US-Firma Darex Packaging Technologies kaufen, die Hochleistungsabdichtungen und -beschichtungen für Metallverpackungen herstellt. Sein Frisörgeschäft will Henkel mit dem mexikanischen Haarpflegeunternehmen Nattura Laboratorios stärken./she/men/stb

(AWP)