Hugo Boss macht 2017 Wachstumspause - Dividende wird gekappt

(neu: Aussagen aus der Konferenz, Aktie.) - Der Edelschneider Hugo Boss wird die Früchte aus seinem Umbau vermutlich erst im kommenden Jahr ernten können. Der Umsatz dürfte 2017 währungsbereinigt weitgehend stabil bleiben, kündigte der Konzern am Donnerstag im schwäbischen Metzingen an. Die vollen Auswirkungen des laufenden Umbauprogramms werden erst 2018 sichtbar sein. Immerhin fallen im laufenden Jahr kaum Sondereffekte an, daher wird das Nettoergebnis voraussichtlich prozentual zweistellig steigen.
09.03.2017 13:14

Hugo Boss war durch die Flaute in der Textilindustrie und hausgemachte Fehler in die Bredouille geraten. Durch Kosten für beispielsweise Ladenschliessungen rutschte der Überschuss 2016 um 39 Prozent ab auf 194 Millionen Euro. Die Aktionäre müssen daher den Gürtel enger schnallen. Die Dividende schrumpft von 3,62 Euro im Vorjahr auf 2,60 Euro je Aktie.

Das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda vor Sondereffekten) ging um 17 Prozent auf 493 Millionen Euro zurück. Der Umsatz sank 2016 um 4 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Die im MDax notierte Aktie gab kurz nach Handelsstart leicht nach, arbeitete sich dann aber ins Plus vor. Die Anleger waren bereits auf schwache Zahlen und die Dividendenkürzung vorbereitet. Analysten halten zudem die eingeleitete Neuausrichtung für richtig.

Hugo Boss hatte gleich zu Beginn 2016 mit einer heftigen Gewinnwarnung für Aufsehen gesorgt, die etliche Manager den Job kostete. Geblieben aus dem alten Vorstand ist nur der jetzige Konzernchef Mark Langer, der unter seinem geschassten Vorgänger Claus-Dietrich Lahrs die Finanzen des Konzerns verantwortet hatte. Eine teure Expansion und der Versuch, die Marke Boss im Luxussegment zu etablieren, waren fehlgeschlagen. Auf die digitale Welt fand man in Metzingen zu spät eine Antwort, darüber hinaus war die Organisation zu langsam.

"2016 war für Hugo Boss kein einfaches Jahr", resümierte Langer. Inzwischen beginne aber die Neuausrichtung zu greifen. Vor allem in China sei die Wende sichtbar. In dem wichtigen Land kletterten die Umsätze im vierten Quartal auf vergleichbarer Fläche um knapp ein Fünftel. Langer hatte vor allem im Reich der Mitte Läden dicht gemacht und am Preisgefüge geschraubt.

In Asien wurde Hugo-Boss-Bekleidung günstiger, in anderen Regionen wie beispielsweise Deutschland dafür teurer. Ein Hugo-Boss-Anzug kostet inzwischen hierzulande mindestens 599 Euro. Das Prinzip wird weiter fortgesetzt. Mit der Frühjahrskollektion 2018 gilt dann weltweit die Regel: Ein Produkt - ein Preis. ?Dieser Schritt ist irreversibel?, sagte Langer.

In Deutschland sanken die Umsätze im vergangenen Jahr um 4 Prozent. Die gesamte Branche ächzt darunter, dass Verbraucher ihr Geld lieber für Restaurantbesuche, Reisen oder langlebige Güter ausgeben. Ähnlich schwierig ist das Umfeld in den USA. Hugo Boss hatte sich gezielt von Vertriebspartnern in dem Land getrennt, um sich den ruinösen Rabattschlachten zu entziehen. Dadurch sanken die US-Umsätze um 17 Prozent.

Die Ladenschliessungen schlugen mit 67 Millionen Euro zu Buche. Über 20 Läden wurden bereits dichtgemacht, 15 weitere werden bis Ende 2017 folgen. Selektiv wird auch eröffnet. Da das Umfeld in vielen Märkten wie Deutschland oder USA schwierig bleibt, feilt Hugo Boss weiter am Produkt, um Kunden zu ködern. Die Kollektionen werden hochwertiger. Statt vier gibt es nur noch zwei Marken, der Fokus liegt wieder stärker auf der Herrenmode. Zudem wird der Anteil der freizeittauglichen Mode gestärkt und bekommt mehr Platz in den Läden. Auch online tut sich etwas. Bislang ist der Internet-Handel aber noch ein zartes Pflänzchen und steuerte 2016 gerade einmal 3 Prozent zum Gesamtumsatz bei./she/men/fbr

(AWP)