IHK warnt vor Einbussen für Frankfurt bei Börsen-Hochzeit mit London

(Ausführliche Fassung)
10.06.2016 12:43

FRANKFURT (awp international) - Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt hat massive Bedenken gegen den angestrebte Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der Londoner LSE. Es sei "zu erwarten, dass die ausserhalb des Einflussbereiches der deutschen Börsenaufsicht agierende Holdingleitung in England Entscheidungen trifft, die die im Allgemeininteresse wahrzunehmende Funktion der Börse in Frankfurt nicht ausreichend berücksichtigen oder ihr gar zuwiderlaufen", warnte die IHK am Freitag. "Dies könnte nicht nur zur Schwächung des grössten inländischen Finanzplatzes in der Mainmetropole, sondern zum Nachteil der gesamten deutschen Wirtschaft führen."

Deutsche Börse und London Stock Exchange (LSE) streben ein Gemeinschaftsunternehmen mit rechtlichem Sitz in London an. Das operative Geschäft soll weiterhin von den Zentralen in Eschborn bei Frankfurt sowie London gesteuert werden. Die Konzerne brauchen sowohl die Zustimmung ihrer Aktionäre als auch von mehr als 20 Behörden - unter anderem der hessischen Börsenaufsicht.

Nach IHK-Ansicht lassen die bisher bekannt gewordenen Einzelheiten Zweifel aufkommen, ob ein Börsenbetrieb in Frankfurt auf Dauer "ungehindert und frei vom Einfluss anderer Interessen" gewährleistet sei. Die Holding und ihre Entscheidungsorgane wären "der Aufsicht hessischer Behörden faktisch weitgehend entzogen". Es gibt allerdings auch Stimmen, die solche Bedenken nicht teilen und die Vorteile einer Fusion betonen.

Die Kammer, die bis zum Jahr 2000 Trägerin der Frankfurter Börse war, forderte die Landesregierung auf, der Fusion nur dann zuzustimmen, wenn die Struktur so gestaltet ist, dass "auch zukünftig die bewusst gewählte und öffentlich sicherzustellende Funktionsfähigkeit der Börse im Interesse der Wirtschaft" gewährleistet sei./ben/DP/das

(AWP)