Immobilien- und Stellenportale stützen Axel Springer - Aktie fällt

(Ausführliche Fassung)
03.11.2016 12:10

BERLIN (awp international) - Axel Springer kann sich weiter auf sein Geschäft mit Onlineportalen zur Vermittlung von Immobilien oder Arbeitsplätzen verlassen. Zwischen Juli und Ende September war die Sparte mit den sogenannten Rubrikangeboten erneut der Wachstums- und Gewinntreiber. Alle anderen Bereiche, zu denen mit "Bild" auch Deutschlands grösste Boulevard-Zeitung gehört, kämpften mit sinkenden Erlöse. Konzernweit sei der Umsatz um knapp ein Prozent auf 801,5 Millionen Euro gestiegen, teilte der Konzern am Donnerstag in Berlin mit.

Der Anteil der Erlöse, die der Konzern mit digitalen Medien erwirtschaftete, stieg auf 67 (Vorjahr: 61,2) Prozent. Beim um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verzeichnete das Unternehmen einen Anstieg um 13 Prozent auf 146,1 Millionen Euro. Unter dem Strich ging der Gewinn wegen höherer Steuern und Abschreibungen und einem geringeren Beteiligungsergebnis um 36 Prozent auf 88,3 Millionen Euro zurück.

Experten stuften die Zahlen im Grossen und Ganzen als nicht überraschend ein, auch wenn das operative Ergebnis die Erwartungen einiger Experten übertroffen hatte. Alles in allem liege das Zahlenwerk im Rahmen der Erwartungen, schrieb Equinet-Experte Mark Josefson. An der Börse tauchte die Aktie am Vormittag zwischenzeitlich um bis zu 1,6 Prozent auf 43,54 Euro und damit den tiefsten Stand seit Februar ab, konnte sich dann aber wieder etwas erholen.

Mit einem Abschlag von rund 14 Prozent in diesen Jahr gehört das Papier zu den grössten Verlierern im MDax . Die meisten Experten halten sich derzeit bei ihrer Einstufung der Aktie zurück. So stufen 11 der 17 von Bloomberg befragten Analysten die Aktie mit neutral ein, fünf raten dagegen zum Kauf.

Zu den Optimisten zählt DZ-Bank-Experte Harald Heider, auch wenn er eine leicht beschleunigte Negativentwicklung im klassischen Printgeschäft sieht. Er rechnet aber dank der zunehmenden Wandlung des Konzerns zu digitalen Geschäftsmodellen mit einem starken organischen Wachstum sowie weiteren Akquisitionen im Bereich des Rubrikengeschäfts.

In dem Bereich hatte Springer erst im September die Übernahme von LaCentrale, dem grössten spezialisierten Autorubrikenportals in Frankreich abgeschlossen. Dank der gut laufenden Geschäfte im Internet bestätigte Springer-Chef Mathias Döpfner, der ein Aktienpaket von 3,2 Prozent im Wert von derzeit rund 150 Millionen Euro hält, die Prognose für das laufende Jahr.

Demnach soll der Umsatz im laufenden Jahr in etwa auf dem Niveau von 2015 liegen. Im Sommer hatte Döpfner die Erlösprognose wegen des schwachen Pfunds gesenkt. Die Währung Grossbritanniens, wo Springer etwas mehr als zehn Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet, war wegen des Brexit-Votums abgestürzt. Beim operativen Ergebnis rechnet Springer im laufenden Jahr mit einem Anstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich./zb/enl/stb

(AWP)