Implenia stärkt mit Übernahme seine europäische Positionierung

(Meldung ausgebaut)
16.12.2016 10:30

Bern (awp/sda) - Der Baukonzern Implenia übernimmt von der deutschen Apleona die Bilfinger Hochbau mit gut 1'000 Mitarbeitenden. Der Schweizer Marktführer will damit seine internationale Diversifikation vorantreiben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Mit dem Kauf der Bilfinger Hochbau steigert Implenia seine Produktionsleistung um 450 Mio EUR oder umgerechnet 500 Mio CHF, wie aus einer Medienmitteilung vom Freitag hervorgeht. Das entspricht rund 15% der heutigen Produktionsleistung Implenias.

Bilfinger Hochbau ist auf dem Heimmarkt Deutschland breit abgestützt und regional gut verankert, wie es in der Mitteilung heisst. Das deutsche Bauunternehmen bietet neben der Kernkompetenz Bauen Leistungen im Bereich Beratung, Planung, Logistik und Steuerung von Bauprojekten an.

Zudem sei diese Transaktion für den Baukonzern ein Schritt hin zu einer "kritischen Grösse" im grössten Baumarkt Europas. Weiter wird die technische Kompetenz und das grosse Know How von Bilfinger Hochbau genannt, etwa die langjährige Erfahrung mit Gebäudedatenmodellierung (Building Information Modeling). Dies werde Implenia helfen, auf ihrem Digitalisierungspfad schneller voranzuschreiten, heisst es weiter.

Die Wettbewerbsbehörden müssen der Übernahme noch zustimmen. Mit dem Abschluss des Geschäfts wird in der Periode zwischen Anfang Februar und Ende April 2017 gerechnet.

Bereits mit dem Kauf der Infrastruktur-Sparte Bilfinger Construction von der deutschen Bilfinger-Gruppe im März 2015 diversifizierte sich Implenia verstärkt international und reduzierte so seine Abhängigkeit von der Schweizer Baukonjunktur.

FINANZIERUNG KEIN PROBLEM

Vontobel-Analyst Bernd Pomrehn begrüsst die weitere Expansion Implenias nach Deutschland; der Deal ergebe Sinn. Aber ohne den Kaufpreis zu kennen sei es schwierig zu beurteilen, wie attraktiv die Transaktion wirklich ist.

ZKB-Experte Martin Hüsler zieht hierfür den vor zwei Jahren erfolgten Kauf von Bilfinger Construction heran. Seinerzeit habe Implenia zum Preis von 110 Mio CHF eine Produktionsleistung rund 780 Mio erworben. Die Finanzierung der Transaktion dürfte aufgrund des hohen Netto-Cashbestands bei Implenia von geschätzten 420 Mio CHF kein Problem darstellen, folgert Hüsler.

Dieser geht davon aus, dass die nun gekaufte Bilfinger Hochbau eine EBIT-Marge von rund 2 bis 2,5% erzielt und damit auf dem Niveau des hiesigen Hochbaugeschäfts liegt. In einer ersten Überschlagsrechnung geht Hüsler davon aus, dass die Akquisition ab 2018 rund 3-7% zum Gewinn pro Aktie von Implenia beitragen wird.

An der Börse bleibt eine grössere Reaktion auf den Deal bisher aus: Um 09.25 Uhr stehen die Implenia-Anteile 0,2% tiefer bei 67 CHF und weichen damit kaum vom Gesamtmarkt ab (SPI: +0,02%).

ra/cp

(AWP)