Individuelle Stromlösungen sollen bei Eon wieder für Wachstum sorgen

Beim Neustart des Energiekonzerns Eon setzt Konzernchef Johannes Teyssen vermehrt auf individuelle Angebote für die Stromkunden. Mit massgeschneiderten Kundenlösungen will das Unternehmen "schon bald mehr als eine Milliarde Umsatz erzielen", sagte der Manager am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Essen. Derzeit seien es "einige hundert Millionen".
10.05.2017 11:41

Eon konzentriert sich seit der Abspaltung des traditionellen Kohle- und Gaskraftwerksgeschäfts sowie des Energiehandels auf die Bereiche Netze, erneuerbare Energien sowie Vertrieb und Kundenlösungen. Dabei setzt das Unternehmen auf digitale Beratungs- und Betreuungsangebote, neue Konzepte bei Photovoltaik mit eigenen Batteriespeichern oder auch virtuelle Stromkonten sowie Elektromobilität.

Mit solchen Produkten will der Konzern, der weiterhin mit den Folgen der Energiewende kämpft, wieder zu Wachstum zurückkehren. Im vergangenen Jahr hatten die Aufspaltung und damit verbundene Abschreibungen auf das traditionelle Geschäft zu einem Rekordverlust von 16 Milliarden Euro geführt. Damit habe Eon jedoch einen "Schlussstrich" gezogen. "Wir sind auf dem Weg zur neuen Eon schon ein gutes Stück vorangekommen", sagte Teyssen. Er bekräftigte auch die Dividendenpolitik des Unternehmens. Für 2017 will Eon den Aktionäre mit 0,30 Euro je Aktie 40 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr.

Aktionäre wie die Fondsgesellschaft Union Investment forderten von Teyssen "nach dem atemberaubenden Niedergang der letzten Jahre" nun "Erfolge". "Das Geschäftsmodell der neuen Eon ist kein Selbstläufer", sagte Thomas Deser, Portfoliomanager von Union Investment, die mehr als vier Millionen Anleger vertritt. Er sieht derzeit kaum Wachstumsmöglichkeiten in den drei Kerngeschäftsfeldern von Eon, auch wegen des aggressiven Wettbewerbs. Deser forderte daher den Eon-Chef auf, die Kosten unter Kontrolle zu halten, und sich nicht in teure "Akquisitionsabenteuer" zu stürzen.

Auch andere Aktionäre sehen die künftigen Wachstumsmöglichkeiten eher kritisch. Anstelle eines Neustarts sehe er eher "viele Jahre des Übergangs", sagte Alexander Elsmann von der Schutzvereingung für Wertpapierbesitz (SdK). Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zeigte sich zudem "noch nicht vollständig" überzeugt von der Aufspaltung. Er fragte, ob es nicht besser gewesen wäre, diese Gelder direkt in die erneuerbaren Energien zu investieren./nas/jha/stb

(AWP)