Infineon kauft sich US-Chipspezialisten für 850 Mio USD

(Ausführliche Fassung)
14.07.2016 15:52

NEUBIBERG/MÜNCHEN/DURHAM (awp international) - Der Halbleiterhersteller Infineon rüstet sich mit einem Zukauf für künftige Anforderungen an das Chipgeschäft. Vom US-LED-Spezialisten Cree will Infineon für 850 Millionen US-Dollar die Sparte für Verbindungshalbleiter namens Wolfspeed kaufen, wie die Unternehmen am Donnerstag mitteilten. Damit stärkt der Dax-Konzern seine Position für Wachstumsmärkte wie Elektromobilität, erneuerbare Energien und kommende Mobilfunkstandards. Bis Ende des Jahres soll der Deal in trockenen Tüchern sein, einige Behörden müssen noch zustimmen.

Die Aktie der im Dax notierten Infineon gewann am Nachmittag gut zwei Prozent, während die Papiere von Cree um fast neun Prozent nach oben schnellten.

Wolfspeed steht seit einiger Zeit zum Verkauf und erzielte mit 550 Mitarbeitern zuletzt einen Jahresumsatz von 173 Millionen Dollar. Der Kaufpreis und die Bewertung des Unternehmen sei angesichts dessen recht "sportlich", sagte Finanzvorstand Dominik Asam in einer Telefonkonferenz. Doch Infineon verspricht sich viel vom Zukauf: Bis 2020 soll das Geschäft jährlich rund 20 Prozent wachsen und sich damit verdoppeln, sagte Vorstandschef Reinhard Ploss. Und dann soll sich der Kauf erst richtig auszahlen.

Denn Wolfspeed ist Spezialist für Chips auf Basis der Grundstoffe Siliziumkarbid und Galliumnitrid. Gegenüber heutigen meist auf Siliziumbasis gefertigten Halbleitern bieten diese eine höhere Effizienz über weniger Energieverlust und höhere Schaltfrequenzen. Damit gelten die neueren Technologien als geeignet für Anwendungen rund um Elektromobilität und Mobilfunk. Die zukünftige Ladetechnik von E-Autos und der kommende Mobilfunkstandard 5G für die Vernetzung von Milliarden Geräten sind Beispiele.

Ploss und Asam verwiesen darauf, dass das Geschäft bereits heute "hochprofitabel" sei und sich sofort positiv bei operativer Marge und Ergebnis je Aktie bemerkbar machen soll. Die Bruttogewinnspanne, also auf Basis der Fertigungskosten ohne Vertrieb, Verwaltung und Marketing, betrage 55 Prozent. Auch wenn die Zahlen unter anderem wegen unterschiedlicher Rechnungslegung nicht direkt vergleichbar sind: Bei Infineon selbst lag die Bruttomarge im letzten vollen Geschäftsjahr bei knapp 36 Prozent.

Die Integrationskosten seien überschaubar, sagte Asam. Denn mit Wolfspeed übernehme man ein Geschäft so, wie man es letztlich in den eigenen Konzern einbauen wolle - ohne grosse Verwaltung und dementsprechenden Umbauaufwand. Der Finanzchef will die Übernahme grösstenteils kreditfinanziert stemmen, aus der eigenen Kasse kommen rund 130 Millionen Dollar des Kaufpreises./men/enl/stb

(AWP)