Infineon wächst nur leicht - Operatives Ergebnis unter Erwartungen

(Ausführliche Fassung)
02.08.2016 09:34

NEUBIBERG/MÜNCHEN (awp international) - Der Chiphersteller Infineon hat im abgelaufenen Quartal vor allem von robuster Nachfrage von Industrie und Smartphone-Herstellern profitiert. Bei dem Geschäft mit den wichtigen Kunden aus der Autobranche gab es nur ein kleines Plus. Und Rückgänge bei Halbleitern für Chipkarten und Sicherheitssysteme machten sich in einer unerwartet schwachen Gewinnmarge bemerkbar, wie aus der am Dienstag veröffentlichten Quartalsbilanz hervorgeht. Dafür konnte der Dax-Konzern unter dem Strich punkten. An der Börse war nach dem jüngst guten Lauf die Luft raus: Die Aktie verlor im frühen Handel fast 6 Prozent an Wert.

Auch weil der Umsatz insgesamt im dritten Geschäftsquartal lediglich um ein Prozent auf 1,63 Milliarden Euro kletterte, nahm sich das Management um Infineon-Chef Reinhard Ploss für den Rest des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres wohl etwas mehr vor als von Experten geschätzt. Die Erlöse sollen im vierten Geschäftsquartal um rund 3 Prozent zulegen. Allerdings sind auch 2 Prozentpunkte mehr oder weniger möglich. Die operative Marge soll in der Mitte der angepeilten Erlösspanne rund 17 Prozent betragen.

Beim operativen Gewinn machte Infineon weniger Fortschritte als von Analysten gedacht. So gingen die Erlöse mit lukrativen Chips für Kreditkarten und Sicherheitssysteme zurück. Händler verwiesen auch auf eine schwache Marge bei den Energiechips für Smartphones und Tablets. Das Konzern-Segmentergebnis stieg um 11 Prozent auf 254 Millionen Euro, die Marge lag bei 15,6 Prozent. Anlaufkosten für neuere Produkte fallen bei Infineon vor allem am Anfang des Geschäftsjahres an. Das vierte Quartal ist üblicherweise operativ das stärkste.

Händler bezeichneten das Zahlenwerk am Morgen als etwas schwächer als gedacht. Auch die bestätigte Prognose fürs Geschäftsjahr bemängelte ein Börsianer. Nach den zuletzt starken Ergebnissen von Konkurrenten und dem wieder schwächeren Euro hatten sich einige mehr ausgerechnet.

Unter dem Strich wuchs der Überschuss um 3 Prozent auf 186 Millionen Euro. Das war mehr als erwartet. Neben den gestiegenen Einnahmen machten sich auch die gesunkenen Herstellungskosten bemerkbar. Zudem gingen die Finanzierungskosten zurück, erneut fiel auch ein kleinerer positiver Steuerertrag an.

Der Halbleiterkonzern hat erst kürzlich die geplante Übernahme des US-Unternehmens Wolfspeed angekündigt, eines Spezialisten für sogenannte Verbindungshalbleiter. Damit will Infineon für 850 Millionen Dollar seine Stellung bei stromsparenden und leistungsstarken Chips stärken, die künftig etwa das effiziente Aufladen von Elektroautos und schnellere Mobilfunknetze möglich machen sollen.

Bei Chipherstellern ist wegen der teils stark schwankenden Preise der Vergleich mit den Zahlen des Vorquartals üblich. Infineon hat sich durch die Ausrichtung auf stabilere Segmente wie die Autobranche und die Industrie jedoch weitgehend von den Schwankungen der Branche abgekoppelt./men/stw/stb

(AWP)