Infineon zapft Kapitalmarkt für Cypress-Kauf an - Aktie fällt

(neu: Kursreaktion, Analystenstimmen, mehr Hintergrund) - Der Chiphersteller Infineon hat sich einen Teil der benötigten neun Milliarden Euro für die geplante Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor über eine Kapitalerhöhung besorgt. Der Halbleiterkonzern platzierte dazu knapp 113 Millionen neue Aktien zu einem Preis von je 13,70 Euro in einem beschleunigten Verfahren bei institutionellen Investoren. Gegenüber dem Schlusskurs vom Montag entspricht das einem Abschlag von 4,6 Prozent. Vor Kosten und Provisionen nahm Infineon damit 1,55 Milliarden Euro ein, wie das Unternehmen aus Neubiberg bei München in der Nacht zu Dienstag mitteilte.
18.06.2019 11:58

Bei den Anlegern kam die Kapitalerhöhung erwartungsgemäss nicht gut an. Am Dienstagmorgen fielen die Infineon-Papiere kurz nach Handelsbeginn auf ihren tiefsten Stand seit Juni 2016. Phasenweise büssten die Aktien über sechs Prozent ihres Wertes ein, Infineon war damit der schlechteste Wert im deutschen Leitindex. Damit setzte sich die Talfahrt der vergangenen Wochen fort. Zuletzt notierten die Papiere noch mit mehr als fünf Prozent im Minus bei 13,61 Euro.

Infineon hatte die angepeilte Übernahme von Cypress Semiconductor Anfang Juni angekündigt. Sie soll bis spätestens Anfang 2020 abgeschlossen sein. Die Unterstützung der Cypress-Führungsspitze hatten sich die Neubiberger bereits gesichert.

Während Infineon-Vorstandschef Reinhard Ploss davon schwärmte, dass sein Konzern mit der Übernahme in die Top 10 der Halbleiterhersteller weltweit aufsteige, reagierten die Aktionäre bereits Anfang des Monats verschnupft. Da half auch die von Ploss geäusserte Ansicht nichts, dass Infineon bei Chips für die Autoindustrie auf dem Sprung an die Weltspitze sei. Die Aktie befindet sich seit der Ankündigung der Übernahme weiter im Abwärtstrend und hat seit Jahresbeginn mehr als ein Fünftel verloren verloren. In den vergangenen zwölf Monaten steht sogar ein Minus von 45 Prozent zu Buche. Infineon gehört damit zu den Schlusslichtern im Dax .

Auch Analysten hatten verhalten auf die geplante Übernahme reagiert, die in einer für Halbleiterunternehmen schwierigen Zeit erfolgt. So steht die Branche angesichts sich eintrübender Konjunkturperspektiven, der Flaute der Autoindustrie und des Zollstreits zwischen den USA und China unter Druck. Analysten hatten daher zwar den strategischen Sinn der Cypress-Übernahme durchaus gelobt, den Kaufpreis aber teils als sehr hoch bezeichnet.

Für Analyst Harald Schnitzler von der DZ Bank kam nun der Zeitpunkt der Kapitalerhöhung überraschend, wie er am Dienstag in einer aktuellen Studie schrieb. Der erzielte Emissionserlös erscheint ihm geringer, als Infineon vielleicht gedacht habe. Offenbar sei die grössere makroökonomische Unsicherheit der Grund für diese Entwicklung gewesen, vermutete der Analyst. Schnitzler bezeichnete den Kaufpreis für Cypress auch wegen der Marktunsicherheiten als ambitioniert. Dennoch wäre die angekündigte Übernahme des US-Unternehmens aus seiner Sicht ein grosser Schritt zur Erweiterung des Produktportfolios und könne Infineons Marktposition verbessern.

Commerzbank-Experte Florian Treisch erachtete den Zeitpunkt der Aktienplatzierung unterdessen als nicht optimal, zumal sich der gesamte Halbleitermarkt ohnehin im Abwärtstrend befinde. Aus seiner Sicht ist ein guter Teil der Verwässerung durch die Kapitalerhöhung aber bereits in den Aktien eingepreist.

Für Infineon wäre die Übernahme von Cypress Semiconductor der grösste Deal der Unternehmensgeschichte. Um sich trotz des Kaufpreises in Milliardenhöhe eine gute Bonitätsnote bei den Ratingagenturen zu sichern und auch künftig billig an Fremdkapital zu kommen, sollen rund 30 Prozent des Kaufpreises über Eigenkapital finanziert werden. Das entspräche etwa 2,7 Milliarden Euro. Diese Ankündigung belastete Infineon bereits seit Monatsanfang. Ungeachtet dessen hat sich der Halbleiterkonzern etwa 60 Prozent dieser Summe nun bereits durch die Kapitalerhöhung besorgt.

Ein Börsianer merkte kritisch an, dass der Chiphersteller den Rest des benötigten Eigenkapitals zur Übernahme nun durch die Ausgabe von Pflichtwandelanleihen generieren könne. Dadurch würde ein Aktienüberhang entstehen, der auf den Kurs drücke. Insofern hätten es die Anleger wohl lieber gesehen, wenn Infineon den Deal in einem Schritt finanziert hätte.

Für den Gesamtsumme der Übernahme hat sich Infineon schon Kreditzusagen von Banken gesichert. Auch eigene Barmittel sollen laut Konzernangaben in den Zukauf fliessen. Möglichkeiten, um weiteres Eigenkapital zu generieren, sind etwa die Ausgabe von Pflichtwandelanleihen oder das Ansammeln von Gewinnen./eas/tav/mis

(AWP)

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