Insolvenzexperte sucht nach Zukunftslösung für deutsche Thomas Cook

(Ausführliche Fassung) - Der erfahrene Insolvenzrechtsexperte Ottmar Hermann will die Thomas-Cook-Unternehmen in Deutschland stabilisieren und möglichst bald mit potenziellen Investoren sprechen. "Gemeinsam werden wir alles unternehmen, um die drei Thomas-Cook-Gesellschaften in Deutschland fortzuführen und eine Zukunftslösung zu finden", sagte Hermann als vorläufiger Insolvenzverwalter einer Mitteilung vom Donnerstag zufolge. Die Löhne und Gehälter der rund 2000 Mitarbeiter seien bis Ende November 2019 durch das Insolvenzgeld gesichert. Die Belegschaft wurde auf einer Mitarbeiterversammlung informiert.
26.09.2019 14:29

Thomas Cook in Deutschland war in den Sog der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten und hatte am Mittwoch Insolvenzantrag gestellt. Ausserdem hat die Thomas Cook GmbH beim Bund einen Überbrückungskredit beantragt, dem Vernehmen nach handelt es sich um 375 Millionen Euro. Das Unternehmen strebt eine Sanierung an. Es soll verhindert werden, dass das Unternehmen Teil der Insolvenzmasse des britischen Mutterkonzerns wird.

"Ziel einer Sanierung ist es, das profitable, aber schon länger durch das schwache Geschäft von Thomas Cook in Grossbritannien und den Brexit belastete Geschäft des deutschen Veranstalters selbstständig fortzuführen", hatte das Unternehmen mitgeteilt.

Hermann war unter anderem bei Grossverfahren wie der Insolvenz des Cabrio-Herstellers Karmann und des Baukonzerns Philipp Holzmann im Einsatz. Der Experte und zwei Kollegen aus der Kanzlei HWW waren vom Amtsgericht Bad Homburg zu vorläufigen Insolvenzverwaltern der Thomas Cook GmbH und ihrer beiden Töchter Thomas Cook Touristik GmbH und Bucher & Öger Tours GmbH bestellt worden.

Aktuell sind nach Angaben des Unternehmens noch etwa 70 000 Thomas-Cook-Pauschalurlauber aus Deutschland unterwegs. Anfang der Woche waren es noch etwa 140 000. Der Urlaub sowie die Rückreise seien über den Versicherer Zurich abgesichert und könnten wie geplant durchgeführt werden.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) teilte allerdings mit, dass manche Hotels Thomas-Cook-Urlauber festhielten. Dem Verband zufolge zwingen diese die Reisenden dazu, ein weiteres Mal zu zahlen.

Urlauber, die für die kommenden Tage gebucht hatten, können seit Wochenbeginn nicht mehr mit Thomas Cook Deutschland starten. Reisen sind inzwischen bis einschliesslich 13. Oktober abgesagt, auch wenn sie schon bezahlt sind. Grundsätzlich ist für diese Fälle auch die Versicherung Zurich zuständig. Der Verkauf neuer Reisen ist gestoppt.

Der Ferienflieger Condor, der ebenfalls zu dem insolventen britischen Reisekonzern Thomas Cook gehört, bekommt unterdessen den Sanierungsexperten Lucas Flöther an die Seite gestellt. Er solle bei Condor als vorläufiger Sachwalter agieren, sagte Flöther am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Er sei am Mittag vom Amtsgericht Frankfurt bestellt worden. Flöther ist auch Insolvenzverwalter der einstmals zweitgrössten deutschen Fluglinie Air Berlin, die vor zwei Jahren Insolvenz anmelden musste.

Zuvor hatte die "Wirtschaftswoche" (online) berichtet, dass das Gericht ein sogenanntes Schutzschirmverfahren genehmigt hat. Condor hatte ein solches Verfahren am Mittwoch beantragt. Dieses besondere Instrument des deutschen Insolvenzrechts soll verhindern, dass Geld an den insolventen Mutterkonzern Thomas Cook abfliesst.

"Dieser Schritt ist in der derzeitigen Lage das Beste für unsere Kunden, unsere Geschäftspartner und für uns. Denn wir erlangen so die volle Unabhängigkeit von der Thomas Cook Group plc und mehr Sicherheit für unsere Zukunft", betonte das Unternehmen. Flöther soll als Sachwalter die Geschäftsführung überwachen.

Nach der Pleite der britischen Thomas Cook hatte Condor von der Bundesregierung einen Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro bekommen und fliegt bisher weiter. Zugleich ist die Condor-Führung auf der Suche nach einem neuen Eigentümer./mar/hnl/DP/fba

(AWP)

 
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