Internetgeschäft hält Springer auf Kurs - Investoren zurückhaltend

(Zusammenfassung; neu Aktienkurs, Analystenstimmen) - Der Medienkonzern Axel Springer profitiert weiter von einem starken Geschäft im Internet. Getrieben von einem deutlichen Umsatzplus mit Digitalangeboten wie zum Beispiel Immobilien- oder Jobportalen (StepStone, Immowelt) stieg der Erlös im ersten Quartal um 6,7 Prozent auf 836,2 Millionen Euro, wie das im MDax notierte Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilte. Der Umsatzanteil digitaler Medien zog dabei auf 71,6 (Vorjahr: 67,4) Prozent an.
10.05.2017 12:00

Der von den Analysten viel beachtete und um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 16,9 Prozent auf 147,2 Millionen Euro. Damit schnitt Axel Springer beim Umsatz besser ab als Experten erwartet hatten. Beim operativen Ergebnis hatten die Analysten einen Anstieg in dieser Grössenordnung auf dem Zettel.

Gemessen am Umsatzanteil der digitalen Medien stieg der Erlös in diesem Bereich um rund 13 Prozent auf knapp 600 Millionen Euro, während er im traditionellen Geschäft um zirka sieben Prozent auf 237 Millionen Euro sank. "Die erheblichen Wachstumsinvestitionen der vergangenen Jahre haben zum guten Start in das Jahr beigetragen", sagte Springer-Chef Mathias Döpfner.

Wegen des Ausbaus des Digitalgeschäfts stieg die Zahl der Mitarbeiter in den zwölf Monaten bis Ende März um knapp fünf Prozent auf 15 598. Springer hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche Firmen zugekauft. Einer der grössten Brocken war dabei das US-Portal für Wirtschafts- und Finanznachrichten Business Insider für mehrere hundert Millionen Dollar.

Unter dem Strich verdiente Springer in den ersten drei Monaten des Jahres mit 47,3 Millionen Euro deutlich weniger als vor einem Jahr. Damals hatten allerdings ein Spartenverkauf und die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Schweizer Verlag Ringier den Überschuss nach oben getrieben, so dass der Vorjahreswert schlecht vergleichbar ist.

Döpfner bestätigte bei der Vorlage des Ergebnisses in den ersten drei Monaten zudem erwartungsgemäss die Prognose für 2017. Demnach soll der Umsatz im Konzern im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Beim operativen Ergebnis und dem bereinigten Gewinn je Aktie rechnet Springer mit einem Anstieg im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich.

An der Börse fiel die Reaktion zurückhaltend aus. Die im MDax notierte Aktie gab im Einklang mit dem Gesamtmarkt leicht nach. Das Papier hinkt seit einiger Zeit der Entwicklung des MDax hinterher. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Kurs um knapp Prozent und damit deutlich weniger als die meisten deutschen Standardwerte.

Immerhin entwickelte sich das Papier aber noch besser als andere Medientitel wie zum Beispiel die Anteile der der beiden TV-Unternehmen ProSiebenSat.1 und RTL , die ihr Digitalgeschäft ebenfalls stark ausbauen. Investoren hatten zuletzt unter anderem kritischer auf die zum Teil hohen Preise für die Übernahmen in der Branche geblickt.

Derzeit warten die meisten Analysten noch ab, wie sich der Umbau zu einem Digitalkonzern weiter entwickelt und auszahlt. Zehn der insgesamt 16 von dpa-AFX erfassten Analysten stufen die Aktie derzeit mit "Hold" oder "Neutral" sein. Das durchschnittliche Kursziel liegt dabei leicht unter dem aktuellen Niveau.

Equinet-Analyst Mark Josefson hält die Aktie trotz des guten Ergebnisses im ersten Quartal für fair bewertet. Er rät den Investoren erst einmal abzuwarten, was bei den beiden Kapitalmarktveranstaltungen in London und New York im Juni rauskommt. Dies könnte neues Interesse auslösen - er bleibt aber vorerst bei seinem "Neutral-Votum" und dem Kursziel von 51 Euro./zb/she/stb

(AWP)