Investoren greifen bei Stada durch - Aufsichtsratschef Oetker geht

(Ausführliche Fassung) - Beim Arzneimittelhersteller Stada geben nach der Übernahme durch Finanzinvestoren mehrere Aufsichtsratsmitglieder ihre Posten auf. Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker und vier weitere Mitglieder des Gremiums legen ihre Ämter zum Ablauf des 25. September nieder, wie Stada am Freitag in Bad Vilbel mitteilte. Kurz vor der regulären Hauptversammlung am kommenden Mittwoch gehen damit fünf von neun Mitgliedern des Aufsichtsrats. Damit hat die Stada-Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven erneut personelle Konsequenzen. Die Aktie lag am Vormittag um 0,75 Prozent im Plus.
25.08.2017 10:00

Die Nachfolger für die ausscheidenden Mitglieder sollen zeitnah gerichtlich bestellt werden, hiess es weiter. Die Veränderungen stehen laut Mitteilung im Zusammenhang mit der jüngst geglückten Übernahme von Stada durch die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven. Oetker soll lange gegen den Verkauf gewesen sein, hat dies offiziell aber bestritten. Neben Oetker gehen auch Rolf Hoffmann, Birgit Kudlek, Tina Müller und Gunnar Riemann. Bereits im Juli hatten der frühere Konzernchef Matthias Wiedenfels und dessen Finanzchef Helmut Kraft Stada verlassen.

ZUGRIFF AUF DIE KASSE

Mit dem Schritt greifen die Investoren bei dem Pharmakonzern weiter durch. Erst am Donnerstagabend hatten sie mitgeteilt, dass sie mit dem Unternehmen über einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag verhandeln. Setzen sie sich durch, erhalten sie Zugriff auf die Kasse von Stada.

Bain Capital und Cinven war es jüngst im zweiten Anlauf geglückt, Stada mehrheitlich zu übernehmen. Sie hatten sich 63,85 Prozent am Unternehmen gesichert. Einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag muss die Hauptversammlung allerdings mit 75 Prozent Stimmenmehrheit billigen. Bis zum 1. September läuft noch eine verlängerte Annahmefrist, die etwa bestimmte Index-Fonds nutzen könnten. Unklar ist weiterhin, was der umtriebige Investor Paul Singer mit seinem Stada-Anteil vor hat. Nach einer Stimmrechtsmitteilung vom Donnerstag hat er seinen Einfluss ausgebaut und verfügt direkt und indirekt über Zugriff auf 11,59 Prozent der Stimmrechte.

Über den Beherrschungsvertrag sollen die Aktionäre auf einer ausserordentlichen Hauptversammlung entscheiden. "Mit dem angekündigten Start der Verhandlungen eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags sehen wir unsere Aufgabe bei diesem Eigentümerwechsel als abgeschlossen an und haben daher beschlossen, unsere Ämter niederzulegen", erklärte Oetker laut Mitteilung./tav/als/she

(AWP)

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