IPO: Vapiano geht noch im Juni an die Börse

Die Restaurantkette Vapiano macht mit ihrem angekündigten Börsengang noch vor der Sommerpause Ernst. Aktien im Wert von um die 200 Millionen Euro sollen den Besitzer wechseln. Insgesamt wird Vapiano je nach genauem Aktienpreis mit bis zu gut 600 Millionen Euro bewertet.
14.06.2017 09:23

Die Aktien will Vapiano zum Stückpreis von 21 und 27 Euro an den Mann bringen, wie das Unternehmen am Mittwoch am Sitz in Bonn mitteilte. Den ersten Handelstag peilt das Unternehmen für den 27. Juni im regulierten Markt der Frankfurter Börse an, dem sogenannten Prime Standard. Vapiano-Chef Jochen Halfmann kündigte an, die Wachstumsgeschichte der Gesellschaft fortzuschreiben. Vor allem in Frankreich peilt er eine grosse Zahl von Neueröffnungen an.

30 PROZENT DER ANTEILE KOMMEN AN DIE BÖRSE

Im Zuge einer Kapitalerhöhung um bis zu 4 Millionen Aktien sollen dem Unternehmen dabei wie geplant rund 85 Millionen Euro zufliessen. Die Alteigentümer wollen bis zu 4,3 Millionen Aktien auf den Markt bringen - einschliesslich einer Mehrzuteilungsoption von rund 758 000 Aktien. Dadurch sollen sich nach dem Börsengang mehr als 30 Prozent der Papiere im Streubesitz befinden.

Bisheriger Haupteigentümer der Kette ist der mit dem Kaffeeröster Tchibo reich gewordene Günter Herz: Seine Vermögensverwaltung Mayfair hält 44 Prozent an Vapiano. 30 Prozent liegen beim Firmengründer Gregor Gerlach. Die Wella-Erben Hans-Joachim und Gisa Sander halten 25 Prozent. Der Rest der Anteile liegt beim Management.

VORTEIL DER ITALIENISCHEN KÜCHE

Je nachdem, zu welchem Preis Vapiano der Börsengang gelingt, ist das Unternehmen insgesamt etwa 512 bis 634 Millionen Euro wert. Der endgültige Preis für die Papiere wird im Zuge eines Bookbuilding-Verfahrens erst noch ermittelt.

Das 2002 in Hamburg gegründete Unternehmen Vapiano umfasst mittlerweile 185 Restaurants in 31 Ländern rund um den Globus. Einen Teil davon betreibt Vapiano selbst, einen Teil zusammen mit Partnern und wieder andere liegen bei Franchise-Nehmern. "Uns kommt zugute, dass die italienische Küche die einzige ist, die überall in der Welt funktioniert", sagte Halfmann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ/Mittwoch).

Vapiano ist vor allem für seine italienischen Nudel- und Pizzagerichte bekannt. Bestellt wird meist direkt an der Theke; die Kunden können dem Koch dann bei der Zubereitung zusehen. "Fast Casual Dining" heisst das in der Branche - ein Mittelding zwischen Fast-Food-Tempeln wie McDonald's und klassischen Restaurants mit Bedienung am Platz.

WACHSTUM IN FRANKREICH ANGEPEILT

Halfmann prophezeit, dass dieses Marktsegment deutlich zulegen wird. Bis Ende des Jahrzehnts will er die Zahl der Vapiano-Restaurants auf weltweit 330 steigern. "Unser Schwerpunkt bleibt eindeutig Europa, und dort wiederum werden wir überproportional in Frankreich investieren", sagte er der "FAZ". In Deutschland, wo es bereits 74 Filialen gibt, sieht er ein Potenzial für 120 Vapiano-Restaurants. In Frankreich sieht er mittelfristig eine ähnliche Grössenordnung - bisher sind es dort erst zwölf Läden.

Beliebt sind die Vapiano-Restaurants vor allem bei Berufstätigen für die Mittagspause und bei jungen Leuten. Einen Rückschlag musste das Unternehmen Ende 2015 hinnehmen nach Vorwürfen von Mitarbeitern, es sei gammelige Ware verkauft worden. Das Unternehmen habe sich in den letzten Monaten ausführlich mit dem Thema beschäftigt, hatte Halfmann im Mai gesagt. Das Thema gehöre nun der Vergangenheit an.

Von 2014 bis 2016 steigerte Vapiano seinen Umsatz von 152 Millionen auf knapp 249 Millionen Euro. Dazu trugen auch Zukäufe bei. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) lag zuletzt bei 28,6 Millionen Euro./stw/kro/das

(AWP)