iShares-Manager: Brexit beschert ETF-Branche starke Geschäfte

Zürich (awp) - Nach dem Brexit-Entscheid haben die Finanzmärkte bekanntlich Kapriolen geschlagen. Eine Branche, die von der erhöhten Unsicherheit und der gestiegenen Volatilität klar profitiert hat sind die Anbieter von ETFs, also Anbieter börsennotierter Fonds. So habe die Branche europaweit in der Woche direkt nach dem Brexit, also von Freitag auf Freitag, europaweit unter dem Strich Mittelzuflüsse im Wert von circa 3,7 Mrd USD verzeichnet, erklärt Sven Württemberger, Deutschschweiz-Chef des ETF-Anbieters iShares im Gespräch mit AWP.
04.07.2016 14:10

Die Branche habe allein in der vergangenen Woche etwa 18% der Jahreszuflüsse generiert, ergänzt der Experte. Dabei sei der Start in die Woche noch vergleichsweise ruhig abgelaufen, habe sich dann zur Wochenmitte in puncto Volumen aber stark beschleunigt, geht Württemberger noch etwas tiefer ins Detail.

Spannend sei auch ein Blick darauf, wohin die Mittel geflossen seien. Während im ersten Halbjahr 2016 etwa 90% der ETF-Zuflüsse in den Fixed Income-Bereich geflossen seien, habe sich diese Tendenz in der vergangenen Woche nahezu komplett aufgehoben. Der Löwenanteil der Mittel sei in Aktien-basierte ETFs geflossen. Dabei hätten die Investoren vor allem europäische Indizes und speziell den Dax favorisiert. Aber auch in ETFs auf den S&P 500 seien viele Mittel geflossen.

NACHFRAGE NACH SICHEREN HÄFEN WEITERHIN HOCH

Aber auch Gold-ETFs hätten einen deutlichen Nachfrage-Schub erlebt. Hier habe sich gezeigt, dass ein nach wie vor hoher Anteil der Investoren auf sichere Häfen setzt. Entsprechend seien ab der zweiten Wochenhälfte auch Währungs-ETFs wieder etwas stärker gelaufen.

"Ereignisse wie der Brexit, die Anleger zu schnellen Reaktionen zwingen, sind in der Regel gut für ETFs", erklärt Württemberger. Aber auch für seine Branche sei die vergangene Woche ohne Frage eine Herausforderung gewesen. Ein wichtiger Pluspunkt sei sicher, dass es gelungen sei, die Märkte trotz der sprunghaft gestiegenen Nachfrage liquide zu halten. Orders seien zügig ausgeführt worden.

Das dürfte das Ansehen von ETFs stützen. Besonders stark hätten institutionelle Kunden und Privatanleger auf ETFs gesetzt. Bei den grossen Pensionskassen sei dagegen noch eine gewisse Zurückhaltung spürbar.

"Ob die Nachfrage nach ETFs so hoch bleibt, ist natürlich unklar", so der Manager. Aber ohne Frage seien ETFs in Zeiten erhöhter Volatilität stärker nachgefragt, da sie beispielsweise bestimmte Indizes einfach widerspiegeln und es keines aktiven Managements bedarf. Manche Asset Manager nutzen ETFs gerne als technisches Vehikel, um mit minimalem Aufwand von einem Trend zu profitieren.

hr/cp

(AWP)