Italienische UniCredit zieht bei deutscher HVB Milliarden ab

Die kriselnde italienische Grossbank UniCredit greift in die Taschen ihrer deutschen Tochter HypoVereinsbank (HVB). Die Italiener ziehen im laufenden Jahr eine Sonderdividende von drei Milliarden Euro aus Deutschland ab, wie UniCredit am Montag mitteilte.
30.01.2017 14:53

Dazu kommt noch der Gewinn aus dem vergangenen Jahr, der im Juni ebenfalls voll an die Mailänder Mutter ausgeschüttet wird, wie diese bestätigte.

Die deutschen Aufsichtsbehörden sehen mit Sorge, dass die HVB durch den Mittelabfluss geschwächt wird, wie ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagte. UniCredit versuchte die Sorgen zu zerstreuen: "Die starke Kapital- und Liquiditätsausstattung der HypoVereinsbank wird auch nach dieser Zahlung erhalten bleiben", hiess es.

Druck der EZB

Parallel dazu erhöht die Europäische Zentralbank (EZB) den Druck auf die grösste italienische Bank, die derzeit an einer 13 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung arbeitet. Bis Ende Februar muss UniCredit einen Plan für den Abbau fauler Kredite vorlegen.

Die Kapitalquote der Bank ist wegen hoher Abschreibungen Ende 2016 auf rund acht Prozent gefallen. Damit unterschreitet das Institut die Kapitalvorgaben (SREP-Quote) der EZB um etwa zwei Prozentpunkte, was die Aufsicht aber zeitweise akzeptieren will.

UniCredit leidet seit Jahren unter der Wirtschaftsflaute in Italien. Der neue Vorstandschef Jean Pierre Mustier will mit der grössten Kapitalerhöhung in der Wirtschaftsgeschichte des Landes die Löcher in der Bilanz stopfen und den Abbau fauler Kredite finanzieren - eine Herkulesaufgabe.

Im vierten Quartal wurden dafür Abschreibungen von 12,2 Milliarden Euro fällig. Nun sollen weitere 6500 Stellen gestrichen werden, davon 1500 bei der HVB.

Die Mailänder hatten die HVB 2005 geschluckt und hadern seit Jahren damit, dass sie nicht frei über das Kapital der deutschen Tochter verfügen können. Das war massgeblich auf den Widerstand der deutschen Bankenaufsicht zurückzuführen, deren Haltung manche UniCredit-Manager als provinziell empfanden.

Weitere Kapitalspritzen geplant

UniCredit hatte den Kapitalabzug aus Deutschland bereits im Dezember auf einer Investorenkonferenz angekündigt - weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit. Nun erklärte das Institut in den Unterlagen für die Kapitalerhöhung, dass es von seinen Töchtern - dazu gehört neben der HVB auch die österreichische Bank Austria - in diesem Jahr Kapitalspritzen von 4,1 Milliarden Euro erwartet. In zwei Jahren sollen weitere 1,7 Milliarden Euro fliessen.

(AWP)