Julius Bär erhält einen neuen CEO - Boris Collardi wechselt zu Pictet

(Zusammenfassung) - Bei Julius Bär kommt es überraschend und mit sofortiger Wirkung zu einem CEO-Wechsel. Der bisherige Chief Executive Officer (CEO) Boris Collardi verlässt das Institut und wechselt als Partner zur Pictet-Gruppe. Zu seinem Nachfolger wurde der derzeitige Chief Risk Officer Bernhard Hodler ernannt. An der Börse kommt dies schlecht an.
27.11.2017 11:45

Er habe am Wochenende von Collardis Wunsch erfahren, aus der Bank auszuscheiden, sagte Verwaltungsratspräsident Daniel Sauter am Montag an einer Telefonkonferenz. Collardi verlasse die Bank aus persönlichen Gründen, antwortete er auf die Frage, ob irgendwelche Differenzen zum Abgang des bisherigen CEO geführt hätten.

Er danke dem bisherigen CEO für "seine hervorragende Leistung und seine Führungsstärke, mit der er die Gruppe fast neun Jahre lang leitete", sagte Sauter weiter.

AB MITTE 2018 BEI PICTET

Bei Pictet werde Collardi mit dem geschäftsführenden Teilhaber Rémy Best voraussichtlich ab Mitte 2018 die Verantwortung für das Wealth Management auf globaler Ebene tragen, teilte der Westschweizer Vermögensverwalter am Montag separat mit. Er schliesse sich den sechs gegenwärtigen geschäftsführenden Teilhabern Nicolas Pictet, Renaud de Planta, Rémy Best, Marc Pictet, Bertrand Demole und Laurent Ramsey an.

Der Westschweizer Collardi gilt als Senkrechtstarter in der Branche. Im Mai 2009 hatte er im Alter von gerade mal 34 Jahren und ohne akademische Weihen die Nachfolge von Alex Widmer an der Spitze von Julius Bär übernommen. Collardi verdiente sich zuvor seine Sporen im internationalen Private Banking bei den Grossbanken. 2006 wechselte er zu Julius Bär als Chief Operation Officer (COO). Als einer der bestbezahlten Manager der Schweiz verdiente er 2016 rund 6,5 Mio CHF.

HODLER SEIT 19 JAHREN BEI JULIUS BÄR

Zum Nachfolger von Collardi als CEO von Julius Bär wurde per sofort Bernhard Hodler ernannt. Er sei überzeugt, dass der neue CEO die Bank in eine weitere erfolgreiche Zukunft führen werde, sagte Sauter. Nichtsdestotrotz werde der Verwaltungsrat als Teil der laufenden Nachfolgeplanung einen Evaluationsprozess für die langfristige Führung der Gruppe einleiten. Bis auf weiteres sei aber Hodler CEO.

Er schaue der neuen Herausforderung zuversichtlich entgegen, kommentierte Hodler. Er kenne durch seine 19-jährige Tätigkeit für Julius Bär das Institut sehr gut und habe als stellvertretender CEO eng mit Collardi zusammengearbeitet. Entsprechend rechnet er nicht mit einer schwierigen Übergangsphase. Er stehe für Kontinuität und Stabilität, gab Holder weiter zu Protokoll und glaubt an die Zukunft von Julius Bär als eigenständiges Institut.

Hodler ist seit 1998 Mitglied des Führungsteams von Julius Bär und wurde im September 2017 zum stellvertretenden CEO ernannt. Davor bekleidete Hodler diverse Leitungsfunktionen.

Julius Bär blickt auf ein sehr erfolgreiches Jahr zurück, sagte VRP Sauter weiter. Das starke operative Momentum der Gruppe belege das Interim Management Statement für die ersten zehn Monate 2017, in denen rekordhohe verwaltete Vermögen von 393 Mrd CHF verzeichnet wurden.

ANALYSTEN ÜBERRASCHT - AKTIE IM MINUS

Die Analysten zeigen sich vom Abgang von Boris Collardi überrascht. Insbesondere die Abruptheit dürfte bei den Investoren negativ aufgenommen werden. Collardi habe in den vergangenen neun Jahren die Expansion des Geschäfts durch Zukäufe und organisches Wachstum vorangetrieben. Jedoch sei mit Hodler eine Lösung gefunden worden, die für Kontinuität stehe.

Die Julius-Bär-Namenaktien verlieren am Montagmittag 4,4% auf 57,60 CHF. Der Gesamtmarkt gemessen am SMI notiert 0,1% tiefer. Die Julius-Bär-Aktien hatten erst in der Vorwoche bei 61,20 CHF ein Allzeithoch erreicht.

sig/yr/rw

(AWP)