Jungfraubahnen und Sölden wollen gemeinsam Gästeschwund stoppen

(Meldung ausgebaut)
18.10.2016 16:00

Zürich (awp/sda) - Die Jungfraubahnen und das österreichische Skigebiet Sölden wollen künftig unter der Marke "Ultimate Summits" gemeinsam auftreten. Mit der ungewöhnlichen Zusammenarbeit wollen die zwei Tourismusregionen die jeweilig schwächere Saison stärken.

Wenn zwei Konkurrenten zusammen spannen, muss das gute Gründe haben. Vordergründig ist das bei der Jungfrauregion die Winter-, bei Sölden die Sommersaison, bei denen sich die Konkurrenten Hilfe vom anderen erhoffen. Eigentlicher Grund für die Kooperation ist jedoch die klimabedingte Krise im Wintergeschäft. "Wintertourismus ist insgesamt ein rückläufiger Markt", sagte der Chef der Jungfraubahnen Urs Kessler an einer gemeinsamen Medienkonferenz am Dienstag in Zürich.

Die Antwort der zwei Skigebiete darauf: Zusammenarbeit. "Man muss sich mit den Besten zusammenschliessen, wenn man nicht stehen bleiben will", sagte Kessler. Es gehe schlicht darum, von der Kompetenz des anderen zu profitieren.

Konkret geht es zum einen darum, Wissen auszutauschen. So hat zum Beispiel Sölden den Jungfraubahnen bei der Beschaffung des neuesten Sesselbahn-Typs geholfen. Den Jungfraubahnen soll es dank der Hilfe aus Sölden auch gelingen, in den Tourismusmarkt Osteuropa einzusteigen.

GEMEINSAME WERBEAUFTRITTE

Als Gegengeschäft werden im Juli 2017 Marketingverantwortliche der Jungfraubahnen nach Sölden reisen, um der österreichischen Destination beim Marktaufbau für das Sommergeschäft zu helfen. Dabei geht es vor allem auch darum, asiatische Gäste nach Sölden zu holen.

Zum anderen haben die neuen Geschäftspartner vereinbart, künftig jeweils bei Werbeauftritten auch für die andere Destination zu werben. "Das kostet uns gar nichts", sagte dazu Jack Falkner, der Chef und Miteigentümer der Söldner Bergbahnen. So wird es unter anderem gemeinsame Werbeauftritte bei den Weltcup-Rennen in Sölden und in Wengen geben.

Angst, dass mit der gegenseitigen Werbung Gäste zum Konkurrenten abwandern könnten, haben beide Partner nicht. "Wir können nur gewinnen", sagte Falkner. Als direkte Konkurrenz sehe man sich nicht.

UNTERSCHIEDLICHE AUSGANGSLAGE

Die Ausgangslage der zwei Tourismusorte ist dabei unterschiedlich. Die Jungfraubahnen erwirtschaften 85 Prozent des Verkehrsertrages in der Sommersaison. Dabei zieht das Jungfraujoch besonders viele Gäste aus dem asiatischen Raum an. Sorgen bereitet der Region zwischen Wengen und Grindelwald die Wintersaison. In den letzten zehn Jahren ist die Gästezahl im Winter um einen Viertel eingebrochen. Mit der Kooperation erhoffen sich die Jungfraubahnen jetzt diesen Niedergang stoppen zu können.

Sölden dagegen ist vor allem eine Winterdestination. Der Skiort im Ötztal erwirtschaftet über 90 Prozent der Erträge im Winter, wobei die Gäste vor allem aus Österreich und Deutschland kommen. Stark ist Sölden jedoch auch in touristischen Märkten Osteuropa und den Niederlanden. Aus Asien dagegen kommen kaum Touristen ins Tal.

Die neuen Touristik-Partner haben aber auch unübersehbare Gemeinsamkeiten. Neben der Austragung von Weltcup-Rennen und der Anzahl Anlagen sind es vor allem die Organisation von touristischen Events wie zum Beispiel Musik-Openairs und die hohen Investitionen in die Infrastruktur. So eröffnet Sölden auf Anfang Winter die neue Giggijochbahn, die als erste Bahn 10er-Gondeln aufweist.

Die Jungfraubahnen ihrerseits planen zwei neue Gondelbahnen auf die Kleine Scheidegg und den Männlichen. "Mittelmass ist nicht mehr gefragt", sagte Kessler dazu.

Die Zusammenarbeit zwischen den Jungfraubahnen und Sölden steht dabei erst am Anfang. Laut Kessler sind bereits weitere Kooperationen geplant. Den ersten gemeinsamen Auftritt werden die neuen Partner am kommenden Wochenende in Sölden haben. Die Ski-Weltcupsaison wird dort mit einem Riesenslalom eröffnet.

mk

(AWP)