Knorr-Bremse will noch in diesem Jahr an die Börse

(Ausführliche Fassung) - Die Börsenpläne des Bremsenherstellers Knorr-Bremse werden konkreter: Der Konzern plant seinen Börsengang nun für das vierte Quartal im Prime Standard an der Frankfurter Börse. Beim IPO (Initial Public Offering - Erstnotiz) sollen ausschliesslich bestehende Aktien aus dem indirekten Besitz des Mehrheitsaktionärs Heinz Hermann Thiele und seiner Familie platziert werden, wie das Unternehmen am Montag in München mitteilte. Dem Unternehmen fliesst jedoch kein Geld zu.
17.09.2018 12:46

Bei den zu platzierenden Aktien soll es sich um "einen bedeutenden Minderheitsanteil" handeln. Nach dem Gang aufs Parkett werden den Angaben zufolge Thiele und seine Familie weiterhin die Mehrheit an Knorr-Bremse halten. Seit gut einem Jahr ist ein Börsengang bei dem Bremsenspezialisten immer wieder im Gespräch.

Knorr-Bremse machte keine Angaben zu den finanziellen Details. Das "Manager-Magazin" berichtete unter Berufung auf Insider, es könnten 25 bis 30 Prozent der Anteile verkauft werden. Insgesamt strebe Knorr-Bremse eine Bewertung von 16 Milliarden Euro an. Zusammen mit dem Börsengang der Siemens Medizintechnik, der im März 4,2 Milliarden Euro einbrachte, könnte die Erstnotiz von Knorr-Bremse damit einer der grössten Börsengänge in Deutschland in diesem Jahr werden.

Knorr-Bremse stellt Bremsen für Züge und Lkw her, daneben hat das Unternehmen unter anderem auch Zugtüren, Heizungs- und Lüftungssysteme im Angebot. Knorr-Bremse ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Bremssysteme in Schienenfahrzeugen und bei Druckluftbremsen im Lkw. Knorr-Bremse hatte zur Jahresmitte knapp 29 000 Mitarbeiter, davon rund 80 Prozent ausserhalb Deutschlands.

Starker Mann im Unternehmen ist Mehrheitseigentümer Thiele, der mit dem Börsengang seine Nachfolge regeln will. Vor gut zwei Jahren hatte er den Aufsichtsratsvorsitz abgegeben und fungiert seitdem als Ehrenvorsitzender des Kontrollgremiums. Thiele hatte als Vorstandsvorsitzender in den 80er-Jahren das Unternehmen in einer Krise übernommen.

Vergangenes Jahr machte der Konzern 6,2 Milliarden Euro Umsatz, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei gut 1,1 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft soll der Erlös mittelfristig in den kommenden drei bis vier Jahren um 4,5 bis 5,5 Prozent jährlich klettern, die Ebitda-Marge soll von 18,1 Prozent um rund 1,5 Prozentpunkte zulegen.

Das Management sieht zudem finanziellen Spielraum für Zukäufe. Zuletzt hatte Vorstandschef Klaus Deller versucht, den schwedischen Rivalen Haldex zu übernehmen, war damit aber vor einem Jahr unter anderem am Widerstand des schwedischen Managements gescheitert. Auch der Autozulieferer ZF Friedrichshafen hatte um Haldex geworben.

Knorr-Bremse sieht sich als Profiteur der zunehmenden weltweiten Verstädterung und dem damit einhergehenden Bedarf für Personen- und Transportverkehrsinfrastruktur. Zusätzliches Wachstumspotenzial verspricht Deller sich durch einen steigenden Anteil des Ersatzteilgeschäfts, das zuletzt bereits gut ein Drittel ausmachte./men/stk/bek/nas

(AWP)