Kreise: Bayer und Monsanto kommen in Übernahmegesprächen voran (AF)

(Ausführliche Fassung)
23.08.2016 11:48

LEVERKUSEN (awp international) - Bayer kommt Kreisen zufolge dem Ziel einer Übernahme des US-Konzerns Monsanto immer näher. Bayer-Chef Werner Baumann und Monsanto-Boss Hugh Grant hätten in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe konstruktiver Gespräche geführt, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Bereits in den kommenden zwei Wochen könnte eine Einigung erzielt werden. Die Bayer-Aktie rutschte nach Bekanntwerden der neuesten Gerüchte ins Minus.

Laut Bloomberg haben sich beide Seiten insbesondere in der Frage des Kaufpreises angenähert. Auch über die Höhe einer Ausgleichszahlung wurde gesprochen, sollte das Geschäft an den Wettbewerbsbehörden scheitern. Dass sich beide Parteien am Ende nicht einig werden, sei aber weiterhin möglich, hiess es in den Kreisen. Die Konzerne wollten sich zu den Informationen nicht äussern.

Bayer wirbt seit Monaten um den US-Saatguthersteller, der wegen des Unkrautvernichters Glyphosat sowie seines genmanipulierten Saatguts umstritten ist. Glyphosat, welches der Konzern unter dem Namen Roundup vermarktet, steht im Verdacht krebserregend zu sein.

Bayer-Chef Baumann bemüht sich derzeit um eine friedliche Lösung. Zweimal hat er sich aber bereits eine Abfuhr eingehandelt. Sowohl das Ursprungsangebot von 62 Milliarden US-Dollar als auch die im Juli angehobene Offerte von 64 Milliarden Dollar erschien den Amerikanern als zu niedrig.

Für Bayer wäre es ohnehin der mit Abstand teuerste Zukauf in der Firmengeschichte. Bislang war dies der Erwerb von Schering vor zehn Jahren, der damals 17 Milliarden Euro kostete. Gerade die auf Bayer zukommenden Kosten aber auch die sich hinziehenden Verhandlungen verunsichern die Märkte.

Monsanto wird derzeit mit 46 Milliarden Dollar an der Börse bewertet. Die Aktie kostete zuletzt 104,5 Dollar das Stück. Bayer bietet 125 Dollar. Analysten gehen davon aus, dass Monsanto nicht bei einem Preis von unter 130 Dollar je Anteilsschein an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Auch die Aufhebungszahlung, die Bayer zuletzt auf 1,5 Milliarden Dollar beziffert hatte, müsse der Konzern aufstocken, hiess es.

Durch den Zukauf würde der weltgrösste Hersteller von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln entstehen. Die Konkurrenz ist derweil ebenfalls umtriebig. Dow Chemical und Dupont hatten im Dezember verkündet, über einen Zusammenschluss zu verhandeln. Nach der Fusion soll der Konzern dann in drei einzelne und jeweils börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufgespalten werden. Das chinesische Staatsunternehmen ChemChina wiederum will sich den Schweizer Agrarchemie-Konzern Syngenta einverleiben. Für dieses Vorhaben hatten die US-Behörden erst am Vortag grünes Licht gegeben./she/nmu/stb

(AWP)