Kreise: Rennen um Stada könnte in neue Runde gehen

Völlig überraschend könnte die Übernahmeschlacht um den Pharmakonzern Stada noch einmal von Neuem beginnen. Der zunächst im Bieterrennen unterlegene Finanzinvestor Advent erwägt zusammen mit der chinesischen Firma Shanghai Pharmaceuticals ein neues, auf rund 70 Euro je Aktie aufgestocktes Angebot, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Montagabend unter Berufung auf Insider berichtete. Das wäre deutlich mehr als die Finanzinvestoren Advent und Permira aktuell bieten. Allerdings sei noch keine Entscheidung gefallen. Weder der hessische Pharmakonzern noch die Investoren äusserten sich zu dem Bericht. Branchenexperten zeigten sich skeptisch.
16.05.2017 11:19

Die Chinesen hatten bereits vor Wochen gemeinsam mit dem Finanzinvestor CVC als Interessenten für Stada gegolten, jedoch kein offizielles Angebot vorgelegt. Aus Finanzkreisen verlautete, der Pharmakonzern habe aber weiterhin Gespräche mit möglichen Partnern gesucht. Die Aussicht auf ein noch lukrativeres Angebot trieb die Stada-Aktien am Dienstag zeitweise auf ein Rekordhoch bei 66,50 Euro.

Zuletzt schien das Rennen um den Hersteller von Nachahmermedikamenten und rezeptfreien Markenprodukten schon entschieden. Die Finanzinvestoren Bain und Cinven hatten sich im April mit einem 5,3 Milliarden Euro schweren Angebot gegen Advent und Permira durchgesetzt. Bain und Cinven bieten insgesamt 66 Euro je Aktie. Stada warb zuletzt bei Aktionären, das Übernahmeangebot bis zum Ende der Frist am 8. Juni anzunehmen. Damit der Deal zustande kommt, müssen 75 Prozent der Anteilseigner zustimmen. Bis zum Ablauf der Frist sind aber Gegenangebote jederzeit möglich.

Commerzbank-Analyst Daniel Wendorff hält eine neue Offerte von Advent und Shanghai Pharma indes für unwahrscheinlich. Ein Angebot in der in dem Bericht genannten Höhe würde sich vermutlich nur lohnen, wenn die Kosten bei Stada deutlich reduziert oder Unternehmensteile veräussert würden und sich Shanghai Pharma dabei die für sie interessanten Teile herauspicken würde, schätzt der Experte. Einen solchen Schritt würden aber vermutlich weder das Stada-Management noch der Aufsichtsrat des Konzerns unterstützen.

Beide Führungsgremien hatten sich in den vergangenen Wochen ausdrücklich für das Angebot von Bain und Cinven ausgesprochen. Konzernchef Matthias Wiedenfels hatte zuletzt guten Zuspruch durch die institutionellen Anleger angedeutet, in deren Händen sich Stada mehrheitlich befindet. Der Konzern will nun noch bis zum Ende der Annahmefrist gezielt Kleinanleger ansprechen, die rund 27 Prozent der Anteile halten.

Bain und Cinven hatten Zusagen für Mitarbeiter, Standorte und die Unternehmensstrategie von Stada abgegeben. So bleibe die Zentrale in Bad Vilbel ebenso bestehen wie die "wesentlichen" anderen Standorte des Konzerns, hiess es im April. Geltende Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge würden fortgeführt. Ferner hätte sich das Konsortium bereit erklärt, abseits des laufenden Umbauprogramms bei Stada vier Jahre "weitgehend" auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten./als/tav/mis/stb

(AWP)