Krisenbank Monte dei Paschi beginnt mit rettender Kapitalerhöhung

SIENA (awp international) - Die unter faulen Krediten ächzende italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena startet in dieser Woche ihre entscheidende Kapitalerhöhung. Mit den erhofften Milliarden will die Bank vermeiden, dass sie Staatshilfe annehmen muss.
19.12.2016 06:39

Von Montag bis Donnerstag können institutionelle Investoren die neuen Aktien ordern, wie Bank am Sonntag mitteilte. Kleinanleger haben von Montag bis Mittwoch Zeit.

Das älteste Bankhaus der Welt steckt seit Jahren in der Krise. Ein im Sommer verabschiedeter Rettungsplan sieht vor, dass sich Monte dei Paschi bis zum Jahresende 5 Milliarden Euro an frischem Kapital beschafft. Experten hatten sich zuletzt skeptisch gezeigt, dass Monte dei Paschi dieser finanzielle Befreiungsschlag gelingt.

Wieviel Geld Monte dei Paschi letztlich über den Verkauf neuer Aktien einnehmen muss, hängt davon ab, wie erfolgreich eine zweite Säule des Rettungsplans ist: Parallel können nämlich die Besitzer von Anleihen ihre Schuldpapiere in Aktien umtauschen.

Das frische Geld wird benötigt, um Verluste aus der Auslagerung fauler Kredite im Umfang von 28 Milliarden Euro ausgleichen zu können. Mit der Trennung von den faulen Krediten könnte die Bank ihre Bilanz entlasten.

Scheitert die Kapitalerhöhung, hält sich die Bank offen, um Staatshilfe zu bitten - was jedoch mit EU-Regeln schwer zu vereinbaren ist. Denn diese sehen vor, dass zunächst Eigentümer und Gläubiger von Banken zur Kasse gebeten werden.

Darauf verwies auch der Chef der "Wirtschaftweisen", Christoph Schmidt. Halte Italien die Regeln nicht ein, sei "die Bankenunion nicht glaubwürdig", sagte er der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Schmidt leitet das Essener RWI Leibnitz-Institut und ist zugleich Vorsitzender des Sachverständigenrates der Bundesregierung./das

(AWP)