K+S erwartet wegen Produktionsproblemen Umsatz- und Ergebniseinbruch

KASSEL (awp international) - Dem Düngemittel- und Salzproduzent K+S machen Produktionsprobleme und der anhaltende Preisdruck stark zu schaffen: Die Aktionäre stimmte Konzernchef Norbert Steiner nach einem Umsatz- und Gewinneinbruch im zweiten Quartal auf schwierige Zeiten ein. Angesichts des nun für das laufende Jahr erwarteten Umsatz- und Gewinneinbruchs sei auch eine "deutlich niedrigere" Dividende (2015: 1,15 Euro je Aktie) zu erwarten. Auch bei der grössten Investition des Konzerns - der neuen Kalimine in Kanada - verschiebt sich wegen eines Vorfalls der Produktionsstart. Händler zeigten sich vom Ausblick enttäuscht. Die Aktien standen vorbörslich mit Abschlägen von mehr als einem Prozent unter Druck.
11.08.2016 08:47

"Neben einem schwierigen Marktumfeld im Kaligeschäft und dem niedrigeren Auftausalzabsatz haben die Produktionseinschränkungen im Werk Werra unser Geschäft stark belastet", sagte Steiner. Von April bis Ende Juni sackte der Umsatz im Jahresvergleich um knapp ein Fünftel auf 732,1 Millionen Euro ab. Das Salz- und das Kaligeschäft schwächelten.

Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und vor Bewertungsveränderungen von Derivaten (Ebit I) brach um 91,6 Prozent auf 15 Millionen Euro ein. Bei dieser Kennzahl werden etwa Kosten für die Wechselkursabsicherung herausgerechnet. Unter dem Strich blieb nur ein hauchdünner Gewinn von 0,1 Millionen Euro, nach 153,3 Millionen ein Jahr zuvor. Analysten hatten dies nach Vorlage der Eckdaten in etwa erwartet.

Auch die Aussichten für das laufende Jahr sind eher düster: Der Umsatz dürfte 2016 von 4,2 Milliarden Euro im Vorjahr auf 3,5 bis 3,7 Milliarden sinken. Zuletzt war von einem moderaten Rückgang die Rede. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Bewertungsveränderungen von Derivaten (Ebit I) dürfte sich mit 200 bis 300 Millionen Euro mehr als halbieren. Bisher war von einem deutlichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahreswert von 782 Millionen Euro die Rede.

Die Mittelfristprognose für 2020 bestätigte Steiner. Dann strebt K+S einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 1,6 Milliarden Euro an, nach 1,1 Milliarden im vergangenen Jahr.

Unvorhergesehen hohe Produktionsausfälle im Kali-Werk Werra wegen Entsorgungsschwierigkeiten für Abwässer und niedrige Kalipreise schlugen im zweiten Quartal voll durch. Bei Niedrigwasser der Werra stand die Produktion zuletzt immer wieder still. "Wir arbeiten derzeit intensiv an zusätzlichen Massnahmen zur Salzwasserentsorgung, um die Produktionseinschränkungen an der Werra zu reduzieren", sagte Steiner.

Doch nicht nur in Deutschland auch in Kanada steht der Konzern vor Schwierigkeiten. Dort stemmen die Nordhessen mit dem Bau einer milliardenschweren Kalimine ihre grösste Investition. Doch wegen eines Vorfalls verzögert sich nun der Produktionsstart. Die erste Tonne Kali dürfte erst im zweiten Quartal 2017 produziert werden. Ursprünglich sollte der Start zum Jahresende 2016 erfolgen.

Vor diesem Hintergrund dürfte die Produktion im laufenden Jahr auch unter dem erwarteten Volumen von bis zu einer Million Tonnen Kali liegen. Ende 2017 dürfte die angestrebte Produktionskapazität von zwei Millionen Tonnen dennoch erreicht werden. Mitte Juli war während eines Tests ein Prozessbehälter in einer Produktionsstätte der Mine beschädigt worden.

K+S steht derzeit von vielen Seiten unter Druck: Der Preisverfall auf den Kali-Märkten hält an und seit der abgewehrten Übernahme durch den kanadischen Konkurrenten Potash im Oktober hat sich auch der Aktienkurs nicht grundlegend erholt. Mit dem bevorstehenden Chefwechsel und der Anklage von Topmanagern kamen zuletzt weitere Baustellen hinzu. In Deutschland stehen zudem wichtige Genehmigungen für die Beseitigung von Abwässern an./jha/mne/zb

(AWP)