K+S spart in der Verwaltung und strafft Produktion für Langfristziele

(Ausführliche Fassung) - Straffere Produktionsabläufe und Stellenstreichungen sollen dem Dünger- und Salzkonzern K+S helfen, seine Sparziele zu erreichen. Das Unternehmen komme bei der Umsetzung der neuen Strategie gut voran und habe Massnahmen zur neuen Organisation erarbeitet, sagte K+S-Chef Burkhard Lohr laut Mitteilung am Mittwoch bei einem Kapitalmarkttag im neuen kanadischen Kaliwerk in Bethune. "Wie geplant wollen wir ab Ende 2020 Synergien von über 150 Millionen Euro pro Jahr erzielen."
05.09.2018 17:38

Allein in der Verwaltung sollen die Kosten um rund 30 Millionen Euro sinken, unter anderem durch eine Reduzierung der weltweiten Planstellen um 10 Prozent. Laut einem Sprecher geht es um 260 Stellen. Dabei setze K+S vor allem auf natürliche Fluktuation etwa durch Renteneintritte. Die Zahl betriebsbedingter Kündigungen solle so gering wie möglich gehalten werden.

In der Produktion erwarten die Hessen Einsparungen von mehr als 50 Millionen Euro. Erreichen wollen sie diese unter anderem durch weniger Sprengungen in einigen Bergwerken, um die produktive Arbeitszeit zu erhöhen. Zudem sollten Produktionsabläufe, die sich an einzelnen Standorten als besonders erfolgreich herausgestellt haben, soweit möglich auf andere Bergwerke übertragen werden. Millionen-Einsparungen seien zudem in Einkauf, Logistik und Vertrieb geplant.

Zunächst kosten die Schritte aber erst einmal Geld. Hier rechnen die Kasseler mit einem Aufwand von rund 150 Millionen Euro. Die durch den milliardenschweren Werksbau in Kanada stark gestiegene Verschuldung will das Management aber weiterhin bis Ende 2020 halbieren. Für 2019 stellt das Unternehmen zudem weiterhin einen wieder positiven freien Mittelzufluss (Free Cashflow) in Aussicht.

K+S hatte seine neue Strategie, die weiterhin auf den zwei Geschäftsfeldern Kali und Salz fusst, im Oktober vergangenen Jahres vorgestellt und sich dabei ehrgeizige Wachstumsziele gesetzt. Bis 2030 soll das operative Ergebnis auf 3 Milliarden Euro steigen. Teil des Konzepts ist das Kaliwerk in Kanada, in dem das Unternehmen die Produktion weiter hochfährt.

Den Wert des neuen Standorts beziffert K+S auf 25 Euro je Aktie. Investoren müssen davon allerdings noch überzeugt werden: An der Börse bringt es K+S als Gesamtkonzern derzeit auf knapp 19 Euro je Aktie.

Startschwierigkeiten des Werks etwa wegen einer Schornsteinreparatur und Problemen bei der Produktqualität hatten K+S in der ersten Jahreshälfte zu schaffen gemacht. Auch deshalb hatte der Konzern Anfang August vor zu hohen Erwartungen gewarnt und seine Gewinnprognose konkretisiert. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen will K+S 2018 demnach 660 bis 740 Millionen Euro verdienen. Analysten hatte zuvor im Durchschnitt fast 800 Millionen Euro erwartet. Die Schätzungen sind seither aber deutlich gesunken, genau wie der Aktienkurs.

Erreicht werden soll das Jahresziel nun auch mit einem weltweiten Einstellungsstopp für offene Stellen in der Verwaltung bis zum Jahresende, wie der MDax-Konzern ebenfalls mitteilte.

Die Produktionsausfälle im deutschen Werk Werra werden bei dem Ziel allerdings nach wie vor nicht berücksichtigt. So ruht am Standort Wintershall des Verbundwerkes die Produktion seit Ende August, da K+S wegen der Trockenheit nicht ausreichend Abwässer in die Werra einleiten kann. Zudem droht bei weiterer Trockenheit ein Stillstand im Werksteil Hattdorf. Derzeit werde von Tag zu Tag entschieden, sagte ein Unternehmenssprecher./mis/stw/fba

(AWP)

 
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